Glaube und Wissen – getrennte Welten?

Augustinus hat die Dialektik von Wissen und Glauben in einer wegweisenden Perspektive aufgelöst, indem er den Entwürfen des Rationalismus und des Fideismus die Alternative eines vernünftigen Glaubens gegenüberstellte.

Lösung 1a) Rationalismus: Vernunft steht über dem Glauben. Der Rationalismus möchte den unsicheren Glauben oder das blosse Meinen überwinden und zur Erkenntnis vordringen. Glaube ist wage, Wissen dagegen ist sicher.

Lösung 1b) Fideismus: Glaube und Wissen stehen in einer problematischen Spannung zueinander. Der Glaube steht über dem Wissen. Es besteht ein unüberwindbarer Abstand. „Ich glaube, weil es unvernünftig ist.“ (Tertullian)

Alternative Vernünftiger Glaube: Glaube und Wissen sind aufeinander bezogen. Glaube durchdringt den gesamten Erkenntnisprozess. Die Vernunft wird vom Glauben umschlossen. Ohne Glaube kein Wissenserwerb, ja sogar kein Existieren. Unser Leben ist von Glauben durchsetzt. Wir neigen dann zum Götzendienst, wenn wir nicht Gott an die erste Stelle setzen. Weltliche Bildung wird nicht verachtet, aber relativiert. Das letzte Prinzip muss immer die Schrift sein. „Ich glaube, damit ich erkenne.“ (Augustinus)

Aus: Ron Kubsch. Mit ungeteiltem Herzen. Grundriss einer christlichen Apologetik. Unveröffentlichtes Skript.

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