Menschenbilder (2): Das Konzept des „leeren Blattes“

Von John Locke und Jean-Jacques Rousseau her hat sich das Konzept des Geistes als leeres Blatt etabliert. Ein Kind wird in Unschuld geboren und Stück für Stück von seiner Umgebung verdorben. Der „Geist“ eines Kindes wird durch diesen Interpretationsrahmen zu einem programmierbaren Bereich. Er ist mehrheitlich passiv und empfangend. 

Für Ausbildung und Erziehung hat dies einen doppelten Effekt: Der Ausbilder bekommt die Rolle eines Gottes (weil er das Blatt beschreibt). Er beliefert das Kind –  mit „kindgerechten“ Häppchen. Und: Ausbildung wird zum sozialen, ethischen und ökonomischen Problemlöser. Denn: Man muss ein Kind nur richtig programmieren…

Aus: R. J. Rushdoony. Intellectual Schizophrenia. Ross House: Vallecito 2002.