Gesetz und Geist (5): Glaube und Werke

„Ja, aus Gnade seid ihr erlöst kraft des Glaubens. Nicht euer Verdienst ist es, es ist Gottes Geschenk.“ (Eph 2,8) Sie hätten ja sagen können: „Wir haben die Gnade deswegen empfangen, weil wir geglaubt haben“, wobei sie gleichsam sich den Glauben, Gott dagegen die Gnade zuschrieben. Deshalb fährt der Apostel nach den Worten „kraft des Glaubens“ fort: „Nicht euer Verdienst ist es, es ist Gottes Geschenk.“

Damit sie andererseits nicht behaupten können, er habe eine solche Gottesgabe durch seine Werke verdient, fügte er also gleich an: „Nicht den Werken ist es zu verdanken, damit niemand sich rühmen kann“ (Eph 2,9). Nicht weil er die guten Werke bestritten oder entwertet hat, da er doch erklärt: Gott vergelte einem jeden nach seinen Werken (Röm 2,6), sondern weil die Werke aus dem Glauben stammen, nicht aber der Glaube aus den Werken. Und demzufolge haben wir die Werke der Gerechtigkeit von jenem, von dem der Glaube selbst kommt. Vom Glauben aber heisst es: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben“ (Habak 2,4).

Es haben aber Menschen ohne Einsicht in das Wort des Apostels selbst: „Denn wir halten dafür, dass der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird ohne Gesetzeswerke“ (Röm 3,28) gemeint, er behaupte, es genüge dem Menschen der Glaube, selbst wenn er schlecht leben und keine guten Werk aufweisen sollte. Dass das Gefäss der Auserwählung diese Meinung hege, sei ferne. Denn nach seinen Worten an einer bestimmten Stelle: „Denn in Christus Jesus hat weder Beschneidung noch Unbeschnittensein Wert“ hat der Apostel alsbald hinzugefügt: „Sondern nur der Glaube, der sich in der Liebe auswirkt“ (Gal 5,6). Eben der Glaube ist es, der die Gläubigen Gottes von den unreinen Geistern scheidet; denn auch sie selbst „glauben und zittern“ nach dem Worte des Apostels Jakobus (2,19), aber sie wirken nicht gut. Sie haben also nicht den Glauben, aus dem der Gerechte lebt, d. h. den Glauben, der sich in der Liebe auswirkt, auf dass ihm Gott das ewige Leben nach seinen Werken gewähre.

Aurelius Augustinus. Gnade und freier Wille. In: Schriften gegen die Semipelagianer. Augustinus-Verlag: Würzburg 1987. S. 103-105.

1 Kommentar

  1. Hey Hanniel!

    Danke für die großartigen Zitate von Francis Schaeffer, scheinst ja megaviel zu lesen! Hab selbst nur das Buch „Gott ist keine Illusion“ von ihm gelesen und das war super. Jetzt werd ich morgen in der Jugendgruppe ein Thema über den „Geist der Welt“ und den von Schaeffer erwähnten Verlust der Wahrheit halten,

    achja, issja krass wieviel du schreibst 🙂
    Gottes Segen, Christian

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