Das Lied der Lieder (5): Distanz durch Begegnung

Den zweiten Akt würde ich überschreiben mit „Gegenseitiges Suchen und Finden der Liebenden“. Es beginnt mit einem leidenschaftlichen Werben des Bräutigams:

Mach dich auf, meine Freundin, komm her, meine Schöne! (2,10)

Werben beginnt mit einer Einladung.

Ich suchte ihn, aber ich fand ihn nicht. (3,1)

Der Bräutigam taucht beim Haus der Braut auf. Aber sie will im Moment nicht. Und zum Zeitpunkt, als sie will, ist er verschwunden. Sie beginnt eine hektische Suche, leider erfolglos. Wenn sie will, will er nicht. Und wenn er will, will sie nicht mehr. Das Timing ist manchmal so seine Sache.

Da fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich hielt ihn fest und liess ihn nicht mehr los. (3,4)

Man hat sich gegenseitig verpasst, gesucht und wieder gefunden. Kennst du das Phänomen? Du hast ihn gefunden und klammerst dich an ihn. Die Reaktion der Gegenseite: Mehr Freiraum. Achtung, Achtung, Appell an uns Männer: Du sollst deine Frau hegen und pflegen – sagt Paulus. Sie sorgsam umgeben. Darum: Suche nicht das Weite, sondern nütze solche Momente des Klammerns. Lass dich auf eine vertraute Begegnung ein!

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