Man kann nur fördern, was vorhanden ist

Frühförderung ist in. Das bestätigt auch Margrit Stamm, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Freiburg, im Artikel „Die Magie der Frühförderung“. Problematisch sei dies inbesondere, weil die Wirkung nicht genau abgeschätzt werden kann. Diese sei von mindestens vier Bedingungen abhängig:

Frühe Förderung muss intensiv sein, vor dem vierten Lebensjahr einsetzen, über den Schuleintritt hinaus erhalten bleiben und die Eltern umfassend einbeziehen. Sind solche Kriterien erfüllt, darf man einiges von Frühförderung erwarten.

Comenius, Theologe und Pädagoge (1592-1670) bringt die dahinter stehende Problematik auf den Punkt:

Was für eine Anlage uns zuteil wird, liegt nicht in unserer Hand. Gott verteilt die Spiegel des Verstandes … nach seinem Wohlgefallen. (Jan Amos Comenius, Grosse Didaktik, 20,4)

Der Mensch ist kein unbeschriebenes Blatt:

Es ist also nicht nötig, in den Menschen etwas von aussen hineinzutragen. Man muss nur das, was in ihm beschlossen liegt, herausschälen, entfalten und im einzelnen aufzeigen. (Ders. 5,5)

Im Menschen als einem Mikrokosmos ist alles enthalten, man braucht nur ein Licht anzuzünden, so wird er alsbald sehen. (Ders. 19,47)

Dies wirkt sich auch auf die Rolle des Lehrenden aus. Er ist nämlich nur

Diener, nicht Herr, nur Mitbildner, nicht Umbilder der Natur … (Ders. 19,54)

1 Kommentar

  1. Ist ja lustig. Erst letzten Sonntag meinte Mutter sinngemäß: Trotz aller Förderung und Bemühung der Eltern heute – es ist immer noch Gott, der die Begabungen gibt…

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