Erziehung und die Idee des richtigen Verhaltens

Das Gute entsteht für die Mehrzahl der Erziehungstheorien nicht aus der Natur des Menschen, auch wenn die Erbsünde preisgegeben und die Natur selbst ‚gut‘ erscheinen kann. Nur im Grenzfall, bei allen Rousseauisten, wird aus der guten Natur auf die Sittlichkeit des Menschen geschlossen, die dann wie ein Programm dieser Natur betrachtet werden müsste. Die Mehrzahl der Erziehungstheorien argumentiert sensualistisch: Ideen der Sittlichkeit, Maximen des richtigen Verhaltens, der Habitus der Moral sind nicht irgendwie angeboren, sondern müssen gelehrt werden; anders gäbe es für die Erziehung allenfalls eine negative Aufgabe, nämlich das Kind vor allen moralischen Autoritäten zu schützen, die seine Natur gefährden.

Jürgen Oelkers. Theorie der Erziehung. Uni Bern, Institut für Pädagogik: Bern 1995. (3)