Der fünfte Bub (1): Sie sind hart im Nehmen.

So lautet das Fazit der Dienst habenden Hebamme. Natürlich meint sie damit nicht mich, sondern meine Frau. Um viertel nach drei hat sie mich geweckt, um vier Uhr standen wir vor der Gebärabteilung des Stadtspitals Triemli. “Strebel, wir waren in Männedorf angemeldet, doch es hat nicht mehr gereicht. Meine Frau ist Fünftgebärende.” Eineinhalb Stunden später war er da, mein Fünfter. “Zum Glück kam er in der Nacht.” So wurde die Tagesorganisation nicht gestört. Die Jungs schliefen bis zum Morgen, die Nachbarin hat den Frühdienst übernommen.

Nach der Geburt hatte der neue Erdenbürger seine Hände gefaltet vor dem Kopf – so wie er es sich vom Bauch her gewöhnt war. Er schreit kräftig, denn er will Nachschub. Es ist die erste Geburt, bei der ich zu Tränen gerührt war. “Er hat Zug.” Gemeint sind seine Trinkgewohnheiten. Die Hebammen sind “richtige Zürcherinnen” – “gäll” (so ihr übliches Satzende). Übrigens: Es ist der Schwerste aller fünf. Ein wenig Polster kann nicht schaden, er muss sich gegen eine ganze Mannschaft durchsetzen.

Diese Zeilen schreibe ich vier Stunden später, zurückgekehrt in die Wohnung. Den Zweiten habe ich in den Kindergarten gebracht, der dritte spielt, der jüngste kommentiert ein Pixi-Büchlein, und mein Ältester ist am Rechnen. Eins kann ich sagen: Mit der Routine steigt auch die Sensibilität, abgebrüht würde ich mich nicht bezeichnen. Wenigstens hatte ich vier, fünf Stunden Schlaf letzte Nacht…

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