Informationen sammeln oder vorhandenes Wissen beurteilen?

Wir leben in einer vom Internet und elektronischen Datenbanken geprägten Gesellschaft, in der das Sammeln und Verarbeiten von Informationen als Schlüsselfähigkeiten für Bildung, Management und Dienstleistungen gesehen werden. Dieser Ansatz steht jedoch in einem scharfen Kontrast zu dem, was wir in der Bibel zum Thema Wissen finden, sei es in den Sprüchen, die uns zur Weisheit ermahnen, oder in der paulinischen Aufforderung unser ganzes Denken von Christus erneuern zu lassen. Hier liegt der Schwerpunkt nicht darauf Informationen zu sammeln, sondern auf der Entwicklung einer ganzheitlichen Perspektive, von der aus wir das vorhandene Wissen beurteilen können. Das ist theologische Weisheit.

Als Jesus uns zu beten lehrte, Geheiligt werde Dein Name, bezog er sich auf das dritte Gebot. Du sollst den Namen des HERRN nicht missbrauchen (Matthäus 6, 9 und 2. Mose 20, 7). Der gottesfürchtige Mensch wird danach streben den Namen des HERRN zu heiligen, wobei sich an dieser Stelle gleich die Frage anschließt: Was ist der Name des HERRN? Direkt nach dem tragischen Vorfall mit dem Goldenen Kalb bittet Mose Gott darum ihn sehen zu dürfen, woraufhin Gott seinen Namen offenbart: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied (2. Mose 34, 6-7). Den Namen des HERRN zu ehren verlangt nach einer vollen Anerkennung von Gottes liebevollem, heiligem Charakter. Es muss das betende Anliegen unseres Herzens sein, dass Gott von uns und von der Welt in seiner Gnade und Heiligkeit erkannt wird.

In der christlichen Theologie und Ethik brauchen wir Menschen, die theologisches Wissen mit kulturhermeneutischen Fähigkeiten verbinden können und dadurch theologisch denken.  Diese Leute werden das Wissen und die Informationen aus der Welt und aus der Bibel mit einer christlichen Weltanschauung betrachten, welche geprägt ist von den theologischen Grundüberzeugungen über Schöpfung – Fall – Erlösung, Gesetz und Gnade, Gott und seinem Werk. Der Rahmengeber und das Zentrum dieser Perspektive ist der komplexe Name und Charakter Gottes – YAHWE, wie er Mose offenbart und von Jesus bezeugt worden ist. Aus diesem Namen, der gleichzeitig Barmherzigkeit und Heiligkeit meint, kommen eine Reihe miteinander verbundener Komplementaritäten des authentischen christlichen Glaubens: Die Beziehung zwischen Gesetz und Evangelium, das Verhältnis von Form und Freiheit und der Zusammenhang von Glaube und Kultur. 

Thomas K. Johnson im  Vorwort meines neuen Buches über Home Education

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