Gott und Mensch müssen vor allem wieder ihre wahre Stellung einnehmen

Die Institutio beginnt mit dem Satz: “All unsere Weisheit, sofern sie wirklich den Namen Weisheit verdient und wahr und zuverlässig ist, umfasst im Grund eigentlich zweierlei: Die Erkenntnis Gottes und unsere Selbsterkenntnis.” Gleich zu Beginn seines Werkes stellt Calvin also seine ganze Theologie unter das Zeichen, das zu den Hauptprinzipien der Reformation zählt: die absolute Transzendenz Gottes und sein totales Anderssein im Vergleich zum Menschen. Eine christliche und schriftgemässe Theologie gibt es nur, wenn der unendliche Abstand gewahrt bleibt, der Gott von seinem Geschöpf trennt, und wenn jegliche Verwechslung, jegliche “Vermischung” vermieden wird, die den radikalen Unterschied zwischen Göttlichem und Menschlichem zu verwischen versucht. Gott und der Mensch müssen vor allem wieder ihre wahre Stellung einnehmen. Das ist der Grundgedanke, der Calvins gesamte Theologie beherrscht und der auch den meisten seiner Lehrstreitigkeiten zugrunde lag.

Aus: François Wendel. Calvin – Ursprung und Entwicklung seiner Theologie. Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn 1968. (130)

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