Wer ist der Lehrer deiner Kinder?

Ich hatte gestern und heute die Gelegenheit, zwei Vorträge des US-amerikanischen Erziehungswissenschafters Brian D. Ray zu hören. Er ist selbst achtfacher Vater und vierfacher Grossvater. Seine Frau und er haben ihre Kinder selbst unterrichtet. Einige Dinge, die ich mitgenommen habe:

  • Die wichtige und entscheidende Ausgangsfrage lautet: Wer hat die Autorität und die Verantwortung für das Training der Kinder? Es sind die Eltern.
  • Wer ist der Lehrer deiner Kinder? Wenn dein Kind von morgens bis abends unterwegs ist, sind dies: Der Busfahrer, der Pausenplatz, der Klassenverband, die Botschaften auf dem Handy, die Games – und daneben auch noch der Lehrer.
  • Es ist nicht die Frage, ob die Kinder indoktriniert werden, sondern von wem!
  • Wir lernen nicht für (Wissens-)Tests. Das sind zwar mächtige Kontrollinstrumente. Doch wieviel von diesem Wissen brauchst du für das wirkliche Leben?
  • Die Bibel unterscheidet nicht zwischen “studieren” und “jüngern” (Jüngerschaft). Darum sprich weniger von Homeschooling, sondern eher von Jüngerschaft oder väterlicher bzw. mütterlicher Verantwortung.
  • Bewahre eine demütige Haltung. Schliess dich mit anderen Familien zusammen, lerne von ihnen.
  • Manche Homeschooler haben sich mit teuren Lehrmitteln ausgerüstet und dann gemerkt: Für meine Kinder funktioniert das gar nicht. Am Schluss liegt es nicht an den besten Lehrmitteln.
  • Vorsicht mit Aktivismus. Ein Grund die Kinder selber zu unterrichten ist mit ihnen unterwegs zu sein und ein stabiles familiäres Umfeld zu schaffen. Findest du noch Platz für Familienmahlzeiten und ausgedehnte Diskussionen?

Hier einige Highlights aus den von Brian D. Ray präsentierten Studien zu Home Education:

  1. Deskriptive Studie aus 2008; 11739 Teilnehmer aus allen 50 Bundesstaaten der USA: Homeschooler liegen zwischen 34 und 39 Perzentil-Punkten über dem nationalen Durchschnitt; Bildungsniveau und pädagogische Ausbildung der Eltern hat kaum einen Einfluss auf die Leistung; ebenso wenig spielt die Intensität der staatlichen Regulierung eine Rolle. Das Einkommen der Eltern spielt – im Gegensatz zur öffentlichen Schule – eine geringe Rolle, ebenso die Ausgaben für die Ausbildung. Es gibt kaum Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen. 97,7 % der Eltern sind verheiratet, pro Familie sind es durschnittlich 3,5 Kinder.
  2. Viel zitierte Studie aus 2003; umfangreiche Umfrage, 5247 Befragte erwachsene Homeschooler: 74 % besuchen Kurse auf College-Niveau (gegenüber 46 % im US-Durchschnitt). Die Befragten üben Berufe in allen Branchen aus. Sie sind überdurchschnittlich in kommunalen freiwilligen Aktivitäten engagiert: 71 % gegenüber 37 % im US-Durchschnitt; 88 (gegenüber 50 %) sind zudem in einer Organisation engagiert. Nur gerade 4 % (gegenüber 35 %) empfinden Politik und Regierung als zu schwer verständlich; 76 % der 18 – 24-jährigen (gegenüber 29 %) haben in den vergangenen 5 Jahren abgestimmt. 59 % geben an, sehr glücklich zu sein (gegenüber 27 %). 73 % (gegenüber 47 %) empfinden das Leben als aufregend. Und: 74 % der Befragten würden ihre Kinder wieder auf diese Art unterrichten – und gerade 9 % an der öffentlichen Schule.
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