Ruhe suchen in ruhelosen und vergänglichen Dingen

Schon in diesem Leben suchen ja die Menschen mit großer Mühe nach Ruhe und Sicherheit, finden sie aber wegen ihrer bösen Neigung nicht. Sie wollen nämlich die Ruhe in ruhelosen und vergänglichen Dingen finden; da diese Dinge aber durch den Schwund der Zeit hinweggenommen werden und vergehen, so quälen sie den Menschen durch ständige schmerzliche Furcht und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Will sich aber der Mensch im Besitz von Erdengütern beruhigen, so machen sie ihn hochfahrend, aber nicht zufrieden. Oder sehen wir nicht, wie so viele ihren Reichtum plötzlich verlieren, wieviele andere zugrunde gehen, weil sie entweder nach ihm trachten oder weil sie mit seinem Verlust noch gierigeren Menschen zur Beute werden? Würde aber auch der Reichtum dem Menschen sein ganzes Leben lang bleiben und ließe er seinen Liebhaber nicht im Stiche, so müßte doch der Mensch bei seinem Tode ihn verlassen. Denn wie lange dauert das Leben des Menschen und wenn er noch so alt würde? Und wenn sich die Menschen ein hohes Alter wünschen, was wünschen sie sich damit anders als ein lange dauerndes Siechtum? Geradeso ist es mit den Ehren dieser Welt: was sind sie anders als leerer Stolz und eine stets drohende Gefahr des Verderbens? Denn also heißt es in der Heiligen Schrift: „Alles Fleisch ist nur Heu und die Herrlichkeit des Menschen ist nur eine Heublume. Das Heu verdorrt und die Blume fällt ab: das Wort des Herrn aber bleibt in Ewigkeit .“ Wer sich also nach wahrer Ruhe und nach wahrem Glück sehnt, der darf seine Hoffnung nicht auf sterbliche und vergängliche Dinge setzen, sondern muß sie auf das Wort des Herrn bauen, damit er in fester Verbindung mit dem, was ewig bleibt, selber in Ewigkeit bleibe.

Aurelius Augustinus. Vom ersten Katechetischen Unterricht. 16. Kapitel.

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