Papablog (18): Auf das Kind zugehen.

Wir waren bei einem befreundeten Ehe- und Familientherapeuten auf Besuch. Irgendwie wünschst du dir als Vater, dass alles wie am Schnürchen läuft. Nachdem ich die erste Steifheit überwunden hatte, versuchte ich so selbstverständlich wie zu Hause mit den Kindern umzugehen. Erschwerendes Element: An einem neuen Ort erkunden die Kinder stets die Grenzen, und wenn du am Reden bist, entgeht dir schnell etwas. Also richtete ich einen Moment meine Aufmerksamkeit auf den Gesprächspartner, den nächsten auf die Kinder und versuchte so die Balance zu halten.

Mein Vierter legte sich am Wegrand ins Gras und gab uns zu verstehen, dass er nicht mehr weitergehe. Wir gehen weiter und lassen den Kleinen stehen. “Eine gute Teststrecke”, war mein erster Gedanke. Mein Zweitjüngster verfügt über grosse Kraftreserven und hat in seiner kognitiven Entwicklung einen Sprung gemacht. Er drückt seinen Willen mündlich und körperlich klar aus. Und jetzt kommt der wichtige Moment: Wer geht wem entgegen? Meistens ist mein erster intuitiver Gedanke zum Kind zurück zu gehen. Doch genau solche Momente sind entscheidend. Ich beobachte viele Momente, in denen die Eltern dem Kind entgegen gehen und ihm damit ausdrücken, wer am längeren Hebel ist. Die Eltern verkörpern den Hafen der Geborgenheit, das Kind geht zu ihnen (und nicht umgekehrt).

Allerdings kommt im nächsten Moment ein Traktor gefahren, und der Kleine ist in akuter Gefahr. Schnell springe ich hin und nehme ihn an der Hand. Denn für seine Sicherheit bin ich verantwortlich! Noch etwas nehme ich aus dieser kurzen Begebenheit mit: Wer dem Kind immer nachgibt, hat genau in solchen Momenten, in denen das Kind in Gefahr ist, keine Kraft mehr und überlässt das Kind seinem eigenen Willen.

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