Ich such‘ mir eine neue Kirche (17): Unterschätzte Kapazitäten

Während den Ferien haben die Mitarbeiter des Kindergottesdienstes auch Pause und Gelegenheit den Erwachsenengottesdienst zu besuchen. Entweder wird ein reduziertes Programm angeboten, das heisst ein Spielmorgen. Oder aber die Aktivitäten fallen ganz aus. Was heisst das für uns Eltern? Die meisten entscheiden sich dafür, nicht im Gottesdienst zu erscheinen. Andere suchen sich eine Alternative mit passendem Programm. Und die dritten – wir eingeschlossen – gehen trotzdem in den Gottesdienst. Wir sind der Überzeugung, dass es nicht nur eine gute Gewohnheit ist wöchentlich den Gottesdienst zu besuchen, sondern nichts als normal, den Herrn des Universums einmal die Woche mit einem Besuch zu ehren. Wie vertreibt sich der Nachwuchs die Zeit? Als Kind war ich es mir von klein auf gewohnt dem Erwachsenengottesdienst beizuwohnen. Mit 8, 9 Jahren konnte ich nicht nur die zweite Stimme singen, sondern den Ausführungen mühelos folgen und Notizen zum Gesagten anfertigen. Zugegeben ist dies nicht „jedes-Kinds“ Sache.

Die letzten beiden Sonntage beschloss ich meinen Ältesten auch in den Gottesdienst mitzunehmen. Anfangs merkte ich, dass er es sich nicht gewohnt ist, über eine Stunde ruhig zu sitzen und wenigstens über gewisse Strecken aufmerksam zu bleiben. Nun hatte ich drei Möglichkeiten: Ich konnte mit ihm hinausgehen. Doch das heisst einfach in die alte Gewohnheit zurückzugehen. Das kam nicht in Frage. Zweitens hätte ich ihn ablenken können, zum Beispiel mit einem Buch oder mit Stiften oder gar mit elektronischen Geräten (alles schon erlebt). Oder drittens hatte ich die Möglichkeit – für mich die aufwendigste – meinen Ältesten inhaltlich und formal in den Erwachsenengottesdienst einzuführen. Das heisst: Ich erklärte ihm die wichtigsten Abläufe, fragte nach bei wichtigen Informationen und Predigtteilen, und ich besprach nach dem Gottesdienst den Inhalt nach.

Ich wurde bestätigt in meiner Vermutung: Er konnte den Ausführungen schon ganz gut folgen. Wir unterschätzen die Kapazität unserer Kinder. Und – das ist wohl die wichtigste Erkenntnis – wir sind diejenigen, die sie manchmal davor zurückhalten, ihrer Entwicklung gemäss zu lernen. Wir stehen in der Gefahr zu verniedlichen (natürlich auch zu überfordern), und wir suchen krampfhaft nach Wegen um dem Widerstand aus dem Weg zu gehen. Ich bin mir bewusst, dass ein solcher Weg nicht nur unüblich ist, sondern auch mir nochmals mehr abverlangt. Wie bei allem, was mir wichtig ist, kann ich nur sagen: Let’s face it, mit Gottes Hilfe!