Ursachen für das schnelle Wachstum des Christentum in den ersten Jahrhunderten

Welches waren die Ursachen des schnellen Wachstums der Kirche gewesen? Edward Gibbon untersucht in seinem monumentalen Werk – geschrieben am Ausgang des 18. Jahrhunderts – als Historiker die Ursachen. (Wohlgemerkt erfolgt diese Beurteilung nicht als Theologe.) Er stellt deren fünf fest:

  1. Der unbeugsame und, wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen, unduldsame Eifer der Christen, allerdings aus der jüdischen Religion stammend, aber von dem engherzigen und ungeselligen Geiste gereinigt, welcher, statt die Heiden zur Annahme des mosaischen  Gesetzes einzuladen, sie vielmehr davon abschreckte.
  2. Die Lehre von einem künftigen Leben, durch jeden Nebenumstand verbessert, welcher dieser wesentlichen Wahrheit Gewicht und Wirksamkeit geben konnte.
  3. Die der Urkirche zugeschriebene Gewalt Wunder zu wirken.
  4. Die reine und strenge Moral der Christen.
  5. Die Einheit und Disciplin der christlichen Republik, welche allmälig einen unabhängigen und zunehmenden Staat im Herzen des römischen Reiches bildete.

Es war „die erste aber schwierige Pflicht eines Christen, sich rein und unbefleckt von aller Übung des Götzendienstes zu halten.“ (245)

Die heilsamsten Wirkungen auf Glauben und Wandel der Christen wurde von jenen hervorgebracht, „welche in der schaudervollen Erwartung jenes Augenblickes lebten, wo der Erdball selbst und die verschiedenen Menschengeschlechter vor dem Erscheinen ihres göttlichen Richters zittern würden.“ (251)

Was machte „das Leben der ersten Christen viel reiner und strenger … als das ihrer heidnischen Zeitgenossen oder ihrer entarteten Nachfolger“? Es war die „Reue für ihre vergangenen Sünden und das lobenswerthe Bestreben, den Ruf der Gemeinde aufrecht zu halten, in welche sie getreten waren.“ (257)

Luxus wurde angeprangert: „Kostbare Kleidung, prächtige Häuser, elegante Geräthe galten als Vereinigung der doppelten Schuld des Stolzes und der Sinnlichkeit; ein einfaches, Selbstverläugnung verkündendes Äussere wurde als passender für den Christen gehalten, der seiner Sünden gewiss, seiner Erlösung ungewiss war.“ (260)

Dies führte zu Weltabgewandheit: „Die ersten Christen waren für die Geschäfte und Freuden der Welt todt; aber ihre Liebe zur Thätigkeit, welche nie ganz vertilgt werden konnte, lebte bald wieder auf und fand eine neue Beschäftigung in der Kirche.“ (264)

Aus: Edward Gibbon. Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Eichborn Verlag: Frankfurt 2000. (236-292)

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