Der Mann, der Paulus an Schlüsselstellen seines Lebens gefördert hat

Im Leben von Paulus gab es einen Mann, der ihm im schwierigen Einstieg seines Dienstes förderte: Barnabas. Der begnadete Pioniermissionar Paulus ist nicht von einem Tag auf den anderen diensttauglich geworden! Es ist sehr interessant, die Beziehungsgeschichte der beiden Männer Paulus und Barnabas zu verfolgen. Ich glaube drei Facetten ihrer Beziehung ausmachen zu können:

  1. Türöffner

Doch schliesslich führte Barnabas ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Weg nach Damaskus den Herrn gesehen hatte. Er berichtete ihnen, was der Herr zu ihm gesagt hatte und wie mutig Saulus in Damaskus im Namen von Jesus gesprochen hatte. Daraufhin nahmen die Apostel Saulus in die Gemeinde auf. (Apostelgeschichte 9,27+28)

Paulus weilte damals zum ersten Mal nach seiner Bekehrung in der altehrwürdigen Stadt Jerusalem. Dieser Ort war für ihn und für andere mit Erinnerungen verbunden. Hier hatte er seine Spitzenausbildung zu Füssen des berühmten Pharisäers Gamaliel erhalten. Hier entfaltete er aber auch seine fanatischen Aktivitäten gegen die Christen. In der Meinung, Gott einen Dienst zu erweisen, zerrte er sie aus ihrer Häusern, steckte sie ins Gefängnis und und wollte sie gar aus dem Weg schaffen! Drei Jahre nach seiner abrupten Kehrtwende – wie ein umgekehrter Handschuh hat er sich umgehend nach seiner Bekehrung als Missionar betätigt – kehrt er also in diese Stadt zurück. In „good old Jerusalem“ ist man misstrauisch. Konnte man dem Typen trauen? Genau in dieser Situation brauchte Paulus jemanden, der ihn an der Hand nahm. Es war Barnabas.

2.           Entdecker

Dann reiste Barnabas nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen. (Apostelgeschichte 11,25)

Später – rund 14 Jahre sind vergangen – tritt Barnabas ein zweites Mal aktiv in Erscheinung, als er Paulus als Mitarbeiter nach Antiochien holt (Apg 11,25f). Er hat den kraftvollen Lehrer und Evangelisten nicht vergessen. Als er der blühenden und stark wachsenden Gemeinde in Antiochia einen Besuch abgestattet hatte, kam ihm Paulus in den Sinn. Der vollmächtige Mann musste sofort vor Ort gebracht werden! So begann für beide eine Zeit des gemeinsamen Dienstes. Die zwei werden dann von der Gemeinde in Antiochien als Vertreter nach Jerusalem geschickt, um den von einer Hungersnot heimgesuchten Geschwistern finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen (Apg 11,30).

3.           Steigbügelhalter

In der Anfangsphase des Dienstes von Paulus scheint Barnabas eine wichtige Rolle als Mentor gehabt zu haben. Bei der Aussendung zur ersten Missionsreise erscheint der Name von Barnabas vor dem von Paulus (Apg 13,2). Im Reisebericht der ersten Missionsreise rückt Paulus dann aber immer mehr in den Vordergrund. In der Zeit des gemeinsamen Dienstes entstand wohl mit der Zeit eine gleichgerichtete, partnerschaftliche Beziehung. Paulus kristallisiert sich als Führer heraus. Das wird deutlich in der folgenden Beschreibung:

Sie hielten Barnabas für den griechischen Gott Zeus und Paulus, weil er das Wort führte, für Hermes. (Apostelgeschichte 14,12)

Paulus wird hier als Wortführer bezeichnet. Paulus ist über seinen Entdecker und Förderer hinausgewachsen! Gott gebrauchte Barnabas u. a. dazu, Paulus in seine Bestimmung hineinzuführen. Damit kam der Zeitpunkt, wo er den zweiten Platz einzunehmen hatte. Im Lauf der ersten Reise trennt sich Reisebegleiter Markus von Paulus und Barnabas (vgl. Apg 12,15 mit 13,13), was Lukas nicht weiter ausführt. Nach dem Apostelkonzil ist es dann Paulus, der die Initiative für eine zweite grosse Reise ergreift (Apg 15,36). Über der Frage, wen sie auf die Reise mitnehmen sollten, kam zum Zerwürfnis mit Barnabas. Die jahrelange Dienstgemeinschaft endete an dieser Stelle abrupt.

Frage: Wer hat dich geformt, dass du dort angekommen bist, wo du jetzt bist? Vielleicht ist die Zeit reif, dieser Person einmal eine Dankeskarte zu schreiben. Ihr anzurufen und zu sagen, was sie in deinem Leben ausgelöst bzw. bewirkt hat. Oder Gott eine Zeitlang jeden Tag für die Personen zu danken, die dich geformt haben. Ein Geheimtipp: Fange mit den Eltern an – sie vereinen oft die Funktionen Türöffner, Entdecker und Steigbügelhalter!

(Aus einer Predigt, die ich 2008 gehalten habe)

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