Konstruktivismus in der Pädagogik – weitere Überlegungen

Die Diskussion zum Konstruktivismus auf theoblog geht weiter. Hier ein Ausschnitt aus einem Kommentar Rons:

Kern des Konstru scheint mir zu sein, dass alles uns Gegebene nur von uns Gemachtes ist. Ist es so, liegen die Konsequenzen für die Pädagogik auf der Hand. Nicht das Kind hat sich nach der Wirklichkeit zu richten, sondern die Wirklichkeit richtet sich nach dem Kind. Was daran christlich sein soll, bleibt mir verborgen. Ich erkenne hier eher einen anti-christlichen Zug. Der Mensch wird in gewisser Weise zum Konstrukteur des Wirklichen, wird also – jetzt formuliere ich bewusst überspitzt – zum Gott. Dieser Zug lässt sich sogar in der christlichen “Erbauungsliteratur” ablesen. Der Gott, der dort manchmal erscheint, hat sich nach unseren Erwartungen zu richten. Gott hat so zu sein, wie wir uns das wünschen. Gott ist reine Liebe und wird an uns schuldig, so dass wir lernen müssen, ihm zu vergeben. Dass solche Vorstellungen aus unserem Herzen den Götzendienst fördern, merken wir gar nicht mehr (Calvin nennt unser Herz eine Götzenfabrik).

Ein weiterer Kommentator sieht gerade bei den „Konstrukteuren“ einen Wunsch nach apodiktischer Gewissheit:

Viele revolutionäre Philosophien haben die Forderung nach apodiktischer Gewißheit gemeinsam, z.B. Descartes, Kant, Schlick. Aus Enttäuschung über das Nichterlangen apodiktischer Gewißheit stellen sie revolutionäre Thesen auf, wie z.B. „Die Dinge werden von uns geschaffen und sind gar nicht unabhängig von uns.“ Die vernünftige Haltung ist natürlich: „Wir sollten versuchen herauszufinden, was interessant und wichtig ist. Je stärkere Indizien wir finden, desto besser.“ Selbst wenn der Begriff apodiktischer Gewißheit überhaupt kohärent auszubuchstabieren wäre – was er nicht ist -, wären nur Dinge apodiktisch gewiß, die sowieso offensichtlich sind. Es ist ganz egal, ob es etwas gibt, was wir mit apodiktischer Gewißheit kennen. Viele antichristliche Philosophen scheinen aber von neurotischer Sucht nach apodiktischer Gewißheit besessen zu sein. Vielleicht wollen sie Gott spielen oder sind sauer auf Gott.