Zum Modewort „Entschleunigung“

Manager wünschen schöne Feiertage und schreiben in ihren Jahreswechselschreiben von „Entschleunigung“. Dieser Artikel aus der faz setzt sich kritisch mit dem Konzept auseinander. Nach dem Urteil des Verfassers

haftet dem Willen zur Entschleunigung etwas Künstliches an. Im Meer der Reize zieht der Einzelne seine Bahnen, ohne Wasser zu schlucken.

Hinter der Entschleunigungsideologie stehe die Grundannahme

dass der Mensch sich nur in langfristigen Perspektiven begreifen könne, während ihm in der Kurzfristigkeit prekärer Lebensverhältnisse, in denen die Zukunft offen und die Rente nicht sicher ist, das Narrativ abhandenkommt.

Was soll aber falsch sein an gesundem Menschenverstand und Entscheiden, die in Not und unter Druck gefällt werden?

Was ist Pragmatismus in Politik und Arbeit aber anderes als der just in time agierende Sachverstand? Wie authentizitätsversessen muss man sein, um die deadline als transhumanes Übel der Beschleunigungskultur zu denunzieren? Was weiß diese gedankenlose Schmähung schon von der belebenden Wirkung der letzten, allerletzten und allerallerletzten Frist?

Diesen Überlegungen zum Trotz sehe ich dennoch den Wunsch nach „Entschleunigung“ als Teil der menschlichen Sehnsucht nach (wahrer) Ruhe. Dies wird meisterhaft von Blaise Pascal beschrieben.