{Momente im roten und im grünen Bereich} Serie Woche 6

Rot

  • Ich schrecke aus dem Schlaf auf und blicke auf die Uhr. Es ist Viertel vor Sechs. Mein Dreijähriger steht vor dem Bett meiner Frau. Er bettelt: „Ich will Brötli backen.“ Er hat Hunger.
  • Die Temperaturen sind massiv gesunken. Das erschwert den Aufenthalt draussen. So verbringen wir nun ab und zu einen Nachmittag drinnen. An Ideen mangelt es den Jungs nicht, mir aber manchmal an den Nerven, wenn die Wohnung auf den Kopf gestellt wird…
  • Meine Frau hat eine leckere Griesspappe gekocht. Es gibt Sultaninen zum Beimischen. Und der Älteste darf den Brei mit rotem Farbstoff anreichern. Die anfängliche Begeisterung für die farblich veränderte Mahlzeit flacht schnell ab. Er teilt bereitwillig seinen Griess mit dem Dritten. Dieser sitzt dann eine Stunde vor dem Teller. Gelernt ist gelernt: Sag nicht einfach ja, wenn dir jemand etwas anbietet.

Grün

  • Jeden Abend sitze ich auf dem Bettrand im Kinderzimmer, und alle Beten im Turnus. Mein Vierter fängt an. Mein Dritter betet seit Wochen für die gleichen Anliegen. Jeden Abend fragt er mich: „Kämpfen sie immer noch in Syrien?“
  • Mein Zweiter belegt nun auch einen Schwimmkurs. Ausschlaggebend war seine Entscheidung, dass er jetzt schwimmen lernen wolle. Es ist rührend ihn zu beobachten: Er steht tapfer mit den anderen im Kreis, hört auf die Anweisungen, zögert, taucht und bleibt so lange unten, bis schon die nächste Anweisung ertönt ist. Es geht ihm wie manchen von uns: Er muss sich oft einen „Schupf“ geben. Idealerweise sind wir als Eltern dann besonders präsent, wenn er sich überwinden muss.
  • Für meinen Ältesten suchen wir einen Klavierlehrer. Wir fragen Bekannte und Freunde aus der Umgebung nach Namen. Ein Vater verrät uns, dass seine beiden Töchter beim selben Lehrer gewesen seien. Der fleissigen habe es gefallen, die andere habe den Unterricht quittieren müssen. Das machte uns neugierig. Wir suchten den Lehrer vor Ort auf und sprachen mit ihm. Jetzt hoffen wir auf ein Semester Unterricht zur Probe.
  • Die Zeitungen haben angekündigt, dass die Temperaturen bis minus 30 Grad fallen würden. Das beschäftigt meinen Nachwuchs ungemein. Sie hören von Kältetoten und entschliessen sich, alle zusammen auf der grossen Matratze im Kinderzimmer zu übernachten.
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