{Diskutiert} Wenn die Spiel-Räume für Kinder verschwinden

Es gibt Diskussionen, die mich ins Nachdenken bringen. Ein Lehrer erzählte vom Skilager. „Vor einigen Jahren gingen wir an jedem Abschlussabend schlitteln. Das nächste Jahr wurde als erste Vorsichtsmassnahme telefoniert, wenn der letzte Schlittler unten war. Ein Jahr später kam ein Mitarbeiter vom Pistendienst mit. Das Jahr darauf wurde das Schlitteln am letzten Abend ganz eingestellt. Das Risiko erschien uns zu hoch.“ Die Liste könnte fortgeführt werden: Auf unserem Kinderwagen ist ein hölzerner Hochsitz montiert. Dies würden die Hersteller gemäss Auskunft eines Fachgeschäfts nicht mehr anbieten. In unserer Umgebung wurden alle Spielplätze von Experten begutachtet und mit einer Gefahrennummer versehen. Die Rutschbahn vor unserem Haus wurde zersägt und entsorgt, die Wippe ebenfalls. Ein Gesprächspartner meinte: „Das ist unsere intolerante Gesellschaft.“ Ich vermute, dass er damit zum Ausdruck bringen wollte, dass Spiel-Räume zum Experimentieren zurückgehen. Alle eventuellen Gefahrenherde werden eliminiert. Mein Erklärungsansatz verläuft etwas anders: Das (zu) optimistische Bild des Kindes (und des Menschen allgemein) führt dazu, dass Fehlverhalten und der daraus entstehende Schaden nicht dem Verursacher, sondern je länger je mehr der weiteren „Umgebung“ angelastet werden. Der Fehler wird längst nicht mehr der Sündhaftigkeit des Kindes (und der Schuld der Eltern) zugerechnet, sondern den Profis für Kinderbetreuung, also Herstellern oder eben – Lehrern. Und noch einen zweiten Trend stelle ich fest: Je mehr die natürlichen Spiel-Räume für Kinder zurückgehen, die ihnen die Möglichkeit geben, ihre körperlichen Grenzen zu erkunden, desto stärker steigt der Online-Konsum an. Wir befinden uns definitiv in einer Phase der Virtualisierung. Die Folgen bleiben manifest: Veränderte Gehirnstrukturen, Übergewicht und Arthrose bei Kindern – und vor allem Kommunikations- und Beziehungsstörungen.

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