{Lektüre} Subjektivität als Ausgangspunkt zum Verständnis der Bibel?

Matthias Kürschner schreibt in seinem kleinen Buch „Luther als Ausleger der Heiligen Schrift“ (TVG Brunnen: Giessen 2004,11):

Der Anhaltspunkt der Gewissheit ist für Luther nicht die eigene Subjektivität bzw. deren Auslegungskraft, sondern der ‚klare Text‘ der Schrift. Nicht das bildet die Grundlage seines Standpunktes, was sich vor der Vernunft als anschlussfähig an bisherige Erkenntnis, als analogiefähig erweist, sondern die Heilige Schrift selbst ist die Grundlage, ist der Ort des Stehens und Ver-Stehens, der Ort des Evidenten und der Klarheit, weil sie mich klärt, d. h. mich mir in ihrem Licht erst zu erkennen gibt. Sie leuchtet mir ein, indem sie mich erleuchtet.

Der Vernunft ist hier ein rezeptiv-vernehmendes Organ, sie vernimmt das im Text Gemeinte, will Fenster sein, durch welches das Licht des biblischen Wortes das menschliche Bewusstsein durchflutet. Die Rede vom ‚eigenen‘ Verstand, also gerade der Rückzug auf die individuelle Subjektivität würde verdunkeln, worum es Luther geht: Der Text ist hell, nicht die menschliche Vernunft!

Besser könnte man es kaum sagen.

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