Momente im roten und im grünen Bereich: Serie Woche 12

Rot

  • Wir stehen vor der Poststelle. Ich habe meine beiden Söhne losgeschickt, um ein Ticket für den Schalter lösen. Beide kommen zurück, der kleinere weinend, der ältere mit mehreren Ticktets in der Hand, erzürnt. Am Telefon erklärt der junge Mann meiner Frau, dass er getröstet werden möchte. Und er erklärt auch gleich wie: „Mich auf den Schoss nehmen und über die Haare streichen.“
  • Ich warte auf meinen Sohn, der in der Gesangsstunde ist. In Hördistanz bekomme ich mit, wie Musikschüler kommen und gehen. Der Lehrer zu einer Mutter:  „Ihre Tochter hat Fortschritte gemacht. Wie oft übt sie?“ – Die Mutter, etwas verlegen: „Unterschiedlich.“ Nach einer Pause: „Einmal, vielleicht zweimal die Woche.“ Der Lehrer schweigt. Was er sich wohl denkt? Die nächste Schülerin kommt eine Viertelstunde zu spät. Bei Hinausgehen die Grossmutter des Kindes: „Ist es gut gegangen?“ Der Lehrer antwortet leise: „Nein, gar nicht.“ In einem kleinen Abstand: „Es war sehr mühsam.“ Die Grossmutter entnervt zum Kind: „Ja, es klappt bei dir im Moment weder in der Schule noch hier. Hör doch lieber auf mit dem Unterricht.“ Noch eine Weile redet sie (grob) auf das Kind ein. Hier wird ein Urteil gefällt – doch stimmt die Diagnose?
  • Nochmals zum Thema Musikunterricht: Es besteht ein grosser Unterschied zwischen „durchspielen“ und „üben“. Manche Kinder kommen – so meine Beobachtung – gar nie in den eigentlichen Übungsmodus. Widerwillig wird das Stück durchgespielt, und dann wendet man sich der nächsten Beschäftigung zu.
  • Mein Vierter ist nachhaltig beeindruckt von der Filmserie „Unsere kleine Farm“. Manchmal kommt er zu mir und fragt mich: „Können wir wieder den krassen Film gucken?“ (Übrigens: Ein Dreijähriger kann schon ganz ordentlich nacherzählen.)

Grün

  • Die ersten Worte meines Zweiten am Morgen sind oft: „Was machen wir heute?“ Er erhofft sich ein Spezialprogramm – einen Ausflug, einen Besuch. So könnte er dem täglichen Lernen entrinnen. (Hat er dann einmal begonnen, geht es ganz flott.)
  • Das herrliche Wetter der vergangenen Tagen lud zum Frühlingsspaziergang. Mein Teilzeitengagement und der flexible Tagesablauf mit Home Education ermöglichte es uns, an zwei Mittagen draussen ein Feuer zu machen und zu grillieren. Wir waren weit und breit die einzigen.
  • Mein Zweiter überlegt sich laut, ob seine Frau ihm später wohl auch einen solch leckeren Reisauflauf zubereiten und auf die Seite tun würde. Er wägt ab und kommt zum Schluss: „Wohl eher nicht.“
  • In der Sonntagschule war das Thema „Vergebung“. Die Jungs hatten Karten mit Klebern und der Aufschrift „Entschuldigung“ gebastelt. Zu Hause entwickelten sie ein lebhaftes Spiel daraus: Den anderen einfangen, ihn schlagen und dann schnell eine Entschuldigungskarte zeigen.
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