Schlüsselerlebnisse mit Kindern (7): Wenn mein Sohn sich prügelt

Doug Wilson verbindet am Anfang seines Buches “Future Men” den Begriff “Glauben” mit der Erziehung von Söhnen. In der Regel verknüpfen wir Glaube mit einer Hoffnung auf ein zukünftiges Leben. Das gleiche gilt auch für die Erziehung: Der Glaube sieht in meinem Sohn schon jetzt, was einmal sein kann – durch Gottes Gnade und meinem vollen (unzulänglichen, bisweilen verkehrten) Engagement als Vater.

Nehmen wir an, mein Sohn ist in einen Kampf mit den Fäusten verwickelt. Schläge werden ausgeteilt. Etwas kleinlaut kommt der Junge nachher – womöglich mit einer Platzwunde oder einer zerrissenen Hose – zu mir. Eine typische fromme Reaktion wäre: Das, was du getan hast, ist Sünde. Die Diagnose trifft zu; wahrscheinlich waren Motiv, Ziel und Standard des Verhaltens nicht lauter. Doch der Glaube sieht noch etwas anderes: Er sieht z. B. den Wunsch des Jungen, sich für ein Unrecht zu wehren; sich für einen Schwächeren einzusetzen; sich einem vorlauten Kollegen in den Weg zu stellen. Höchstwahrscheinlich gäbe es bessere Wege, mit einer solchen Situation umzugehen.

Doch statt den Jungen eine einfache Quittung „Sünde und jetzt sei still“ in die Hand zu drücken, gibt es einen anderen Weg, den Weg des Glaubens: Genau diese Situation ist eine Gelegenheit, mit meinem Sohn ein Gespräch „von Herz zu Herz“ zu führen. Was hast du gedacht, bevor du dich auf den Kampf eingelassen hast? Was ist dir während dem Kämpfen durch den Kopf gegangen? Wie geht es dir jetzt? Welche Gefühle hast du jetzt? Welche anderen Wege würde es geben?

Wenn ich meinem Sohn alles abschneide, werden ihm auf diese Weise (ungewollt) viele männliche Züge „ausgedrillt“. Die Gefahr besteht, dass er nicht lernt, solche Situationen zu überdenken. Wahrscheinlich hat er bereits ein Vorgehen entwickelt, mit solchen Momenten umzugehen. Unter Umständen zieht er sich zurück, wenn er sich wehren müsste. Oder er lässt die Aggression an den Geschwistern oder an den Eltern aus. Oder er richtet die Aggression gegen sich selbst.

Mit neuem Mut (und neuer Perspektive) gehe ich zukünftig solche unangenehmen Situationen an. Weil ich durch den Glauben weiss, dass sie zu Formung von zukünftigen Männern beitragen.

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