Schlüsselerlebnisse mit Kindern (8): Ein anderes Verständnis von Zeit

Die Rückfahrt war für 10.00 Uhr geplant. Wir kamen eine gute Stunde vor der Abfahrt beim Bahnhof an. Ich setzte mich mit dem Gepäck in ein Kaffee, der Rest der Familie schwärmte in die Stadt aus, um einige Kleinigkeiten zu erwerben. Ich trank eine Tasse Tee und las im Neuen Testament. 10.45, 10.50, 10.55. Ich war schon unruhig geworden und betete, dass ich die Freude in Jesus in diesem Moment behalten würde. Da kamen sie daher gestürmt. Der Zug brauste davon, wir standen verdattert da. Tränen in den Augen, das ist kein „Schleck“ mit Kleinkindern, wenn die Rückreise nochmals eine Stunde länger dauert. Ich erkundigte mich, wann die nächste Verbindung gehen würde. Reservierung weg, Zug voll, zweimal mehr umsteigen, Reisezeit verlängert. Wir sind müde, die Kinder auch. Ich entdecke eine neunköpfige Familie, die eben auch am Bahnhof eingetroffen ist und in die gleiche Richtung fährt. „Wir sind einfach mal gefahren und schauen jetzt, wann es eine Verbindung gibt.“ In diesem Moment wird mir bewusst: So unflexibel sind wir, zeitlich gebunden, eingeparkt. Welche innere Weite entsteht im Wissen, dass wir dies hinnehmen und gespannt sein dürfen, was wir durch die verpasste Verbindung gewinnen würden. Mit Jesus unterwegs zu sein ist oft anstrengend und selten bequem, doch spannend.

Eigentlich ist diese kleine Begebenheit ein Spiegel für unser gesamtes Leben: Wir sind so fixiert auf unsere Pläne und (vielleicht dadurch?) so wenig offen für das, was Jesus uns bereithält. (Anmerkung: Ich schreibe diese Zeilen auf dem Bahnhof, frierend und gespannt auf das, was uns in den nächsten Stunden erwartet. Die wartende freudige Haltung gibt Ruhe.)

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