Als mir der Geduldsfaden fast riss

Stress- und Ausnahmesituationen fördern zu Tage, was im eigenen Herzen ist.

Was bei vielen als Untugend in ihrem Bewerbungsschreiben vermerkt ist oder als Standardantwort auf die Frage „Was ist Ihre Schwäche?“ folgt, ist das Stereotyp „ich bin ungeduldig“. Nach intensiven Wochen (Start neues Schuljahr, Studioaufnahme der Kinder, Anschaffung eines neues Klaviers, eine Spitzenzeit im Geschäft, zwei Vorträge in der Gemeinde, mein Bavinck-Leseprojekt und die Vorbereitung auf das PhD-Colloqium), frühem Start am Morgen (das erste Mal um halb fünf, das zweite Mal um sechs auf) und nach zwölf Stunden Flug war es um meine Nerven geschehen. Unser Anschlussflug war 90 Minuten nach unserer Landung terminiert. Und wir standen just in der Reihe von notabene 60 Schaltern für die „Immigration“, in der die vor uns Stehenden nicht nur viel länger hatte, sondern bei jedem zweiten Passanten das Scanning-Gerät streikte. Die Minuten schmolzen dahin, unruhig beginne ich das Gewicht von einem Bein auf das andere zu verlagern – für Insider ein sicheres Zeichen, dass mich die Unruhe erfasst hat. Wir standen am Schluss zuletzt (von mehreren hundert Passagieren) in der Reihe, unser Flug würde in 30 Minuten starten. Der Officer stellte trotz meiner höflichen Mahnung eine Menge an unnötigen Fragen und verstieg sich zum Schluss zur Bemerkung, ich müsse mich etwas beeilen. Was ich dann auch tat. Das heisst: Wir holten erst unser Gepäck, das einsam herumlag, hechelten durch die Gepäck- und dann durch die Passkontrolle, um festzustellen, dass wir nun auf Gate B rennen mussten. Der Schweiss rann mir die Wangen runter, und zur Verblüffung stellten wir fest: Wir hatten das falsche Gate erwischt. Also rechtsumkehrt, und zu Gate C. Dort angekommen, begann die Check in-Beamte gerade mit betonter Langsamkeit, die ersten Passagiere für den Start des Flugs aufzurufen, obwohl die Startzeit schon vorbei war. Uff, das ist nochmals gut gegangen. Wie wird es beim nächsten Anschlussflug sein? (P. S. Tatsächlich rannte ich ich den Kilometer mit offenen Schuhbändeln und einem halb angezogenen Gürtel.)

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