Sind die Evangelikalen wissenschaftsfeindlich?

Die Welt schreibt in einem Artikel zum Pfarrmangel in Deutschland über evangelikale Studenten:

Zumindest an einigen Hochschulen scheint der Anteil der Evangelikalen zu wachsen, die sich für Wissenschaft kaum interessieren, in kleinen Gruppen das persönliche Heil suchen und sich damit von der übrigen akademischen Kultur abschotten.

Ein Leserkommentar:

Während das ausgehende 18. Jahrhundert vom theologischen Rationalismus geprägt war (der an den staatlichen Universitäten wieder fest im Sattel sitzt), hat sich auf evangelikaler Gemeindeebene wenigstens teilweise eine Art Sensualismus manifestiert, welcher das Gefühl in den Vordergrund stellt. Es ist kaum mehr wichtig, ob etwas wahr ist, sondern ob etwas “geschieht” oder ob etwas gefühlt wird. Ich denke, diese Beobachtung trifft nicht nur auf pfingstlich/charismatische Kreise zu. Ein bibeltreu-akademisch gebildeter und interessierter Pastor hat meist Schwierigkeiten, Interesse zu wecken, tiefer in das Wort und auch in die Dogmatik zu gehen. Allerdings gibt es im angelsächsischen Raum schon Gegenbewegungen, denken wir nur an die apologetische Welle um W.L. Craig und J. Lennox, zu nennen wäre aber auch die GospelCoalition um Carson und Piper. 
Den Evangelikalen aber insgesamt Wissenschaftlichkeitsfeindlichkeit vorzuwerfen, nachdem man sie aus den Universitäten gedrängt hat, ist völlig verfehlt. Und der Wissenschaftsansatz, welcher von der liberalen Theologie dogmatisiert und monopolisiert wurde ist tatsächlich für evangelikale Christen nicht hilfreich. 
Selbst in der Kulturgeschichte hat man erkannt, dass man mit den Werkzeugen der säkularen Geschichtswissenschaft nicht die religiösen Stimmungen einer Bevölkerung hinreichend erforschen kann.Die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert machte wieder bibeltreue (ich reite nicht auf dem Wort herum) Universitätstheologie (denken wir an Tholluk) möglich. Dies kann wieder geschehen, Gott helfe uns.

Ein weiterer Kommentar:

 Unser Sohn hat an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig studiert, sein Examen mit 1,22 abgeschlossen, sich im studentischen Theo-Kreis engagiert und ist wissenschaftlich sehr (!) interessiert. Der Evangelischen Kirche sollte ins Stammbuchgeschrieben werden, dass sie es doch selbst nicht weiß, wo ihre Kernkompetenz liegt und aus welchem Grund sie immer wieder der teuflischen Versuchung unterliegt, an die Wahrheit des Wortes Gottes Glaubende gegen wissenschaftliche Theologie auszuspielen. Es kann für die Kirchen unseres Landes nur gut sein, wenn sie intelligente gläubige Leute bekommt, die im Zeitenwandel der Postmoderne die biblische Kernbotschaft stärken, in der Öffentlichkeit vertreten und weitergeben. Denn nur dann, wenn Kirche “ihren” HERRN nicht vor die Tür setzt, sondern an die Wahrheit Seines Wortes glaubt und IHN in der öden Kirchen-Landschaft auch HERR über alles (!) sein lässt, findet sie zur Quelle des Lebens. Tut sie es nicht, wird sie jämmerlich zugrunde gehen.

VD: BS.

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