Die Grossfamilie als kleine Gesamtschule

Als Eltern von zu Hause unterrichteten Kindern wird von den Gesprächspartner oft eine Erklärung eingefordert. Am häufigsten wird das Argument der Sozialisierung als Haupteinwand eingebracht (hier geht es zu einigen Posts zum Thema). Nicht so unser Kinderarzt. Er bezeichnete die Art des Unterrichts als gute Option, die einfach mit „erheblichem Mehraufwand“ verbunden sei. Und er bezeichnete unsere Familie als „kleine Gesamtschule“.

So drückte es Leia (9) kürzlich im Mamablog aus:

Manchmal fragen uns die Leute, warum wir Homeschooling machen, oder wo wir in die Schule gehen. Früher habe ich das peinlich gefunden und habe sie manchmal ignoriert, oder das Thema gewechselt. Einmal habe ich sogar gelogen, weil ich Angst hatte, dass sie mich auslachen würden. Aber nachdem ich gelogen hatte, war es mir peinlich, dass ich gelogen habe.

Jetzt sagen wir einfach: «Unsere Mutter unterrichtet uns zu Hause.» Dass sie weitere Fragen stellen, ist uns noch gar nie passiert, darum weiss ich auch nicht, wie ich darauf reagieren würde. Aber grundsätzlich gefällt es mir, dass wir daheim unterrichtet werden. Wir haben täglich ein paar Stunden am Morgen, die wir mit Mathe und Deutsch und manchmal Realien verbringen. Den Rest lernen wir durch den Tag.

Doch manchmal wünschte ich mir, dass ich wüsste, wie es in einem Klassenraum aussieht, oder wie es ist, zur Schule zu gehen. Da bin ich manchmal sehr neugierig. Ich habe mir schon oft gewünscht, ein paar Tage hin zu gehen. Aber das ist bis jetzt nicht gegangen, weil man für mindestens ein Jahr gehen muss und das war mir zu lange, nur um es für mich auszuprobieren.

Aber meistens gefällt mir das Homeschooling. Ein paar Leute meinen, dass wir so nicht sozial würden oder dass wir sicher keine Fantasie hätten. Aber das stimmt gar nicht, ich liebe es, Fantasiegeschichten zu schreiben. Ich mache Leichtathletik, reite und spiele Klavier. Ich will auch noch mit Karate anfangen. Meine Mutter findet, dass das genug sei.

Ich habe sehr viele Freunde, doch die meisten gehen zur Schule. Das nervt, weil man sie dann nur, wenn es Ferien ist, oder am Samstag, Sonntag und Mittwochnachmittag sehen kann. Ich habe aber auch zwei Freunde, die nicht zur Schule gehen und die ich regelmässig treffe. Aber die meisten von meinen Kollegen gehen zur Schule. Das ist, weil es weniger Leute gibt, die Homeschooling machen, als solche, die zur Schule gehen.

Ich finde Homeschooling auch schön, weil ich mir nicht vorstellen könnte, unter der Woche nur noch am Abend Zeit für meine Katze zu haben. Und es ist schön, weil ich dann mehr Freizeit habe und damit auch mehr Zeit zum Spielen.