Lernplätze aus 2012 (3): Wir sind an die „Tretmühlen des Glücks“ verkauft.

Erst wollte ich schreiben: „Hoffnungslos verkauft“. Doch dem ist, Gott sei Dank, nicht so. Lass mich beschreiben, was ich mit „Tretmühlen des Glücks“ meine. Es sind all diejenigen Dinge, die uns zu rastlosen Glücksjägern machen. Das Schlüsselwort in diesem Kreislauf ist „geniessen“. Wir sind ständig auf der Suche nach dem nächsten Genuss. Diese Jagd nach Zerstreuung spannt uns ein. (Manche sprechen darum von „Freizeitstress“.) Dies kann die Entspannung vor dem Fernseher am Feierabend sein, eine feine Mahlzeit, der Kinoabend, der Ausgang, der neue Wagen, der nächste Urlaub. Wir werden dabei von zwei Faktoren bestimmt und getrieben: Dem (vermeintlichen) zukünftigen Genuss und dem augenblicklichen Missstand. Dieser kann sein: Die tägliche Erwerbsarbeit, der Stress mit dem Ehepartner und den Kindern, die vor sich hin geschobene Hausarbeit, das Lernen fürs Studium. Eben all das, womit wir uns täglich abplagen. So finde ich mich rechts und links zwischen hetzenden Glücksjägern wider – im Geschäft, in der Nachbarschaft, in der Kirche. Darauf angesprochen, ist die übliche Leier: „Ach ja. Es wird alles immer schneller.“ Das heisst übersetzt: Die Kadenz der Glücks-Einspritzungen steigt kontinuierlich an. Die Anzahl Reize pro Zeiteinheit steigt. Diese Überflutung macht uns müde. Sie raubt uns Zeit, Kraft und Nerven für Gott und unsere Nächsten. Und was ist die Reaktion? Wir erfinden neue Bedürfnisse und Genüsse, die uns noch schneller in den Tretmühlen strampeln lassen. Sauna, Dampfbad, Wellnessweekend, eine chillige Städtereise mit entspanntem Shopping , Downhill-Biking und was es noch alles gibt.

Meine Sehnsucht für 2013 ist: Nicht dem nächsten Genuss nachzujagen, sondern das Glück inmitten der Anspannung zu finden. Ich will nicht ständig damit beschäftigt sein, meine „Glücksinseln“ zu planen, sondern in meinem Arbeits- und Familienalltag inmitten all der Spannung Freude und Zufriedenheit in dem finden, der mich gemacht hat. Er gibt mir mein tägliches Brot, das ich dankbar von ihm annehme. Er gewährt mir auch die Pausen, die oft genau dadurch entstehen, dass ich nicht noch weitere Genüsse planen muss. Diese Freude kann ich mir aber nicht kaufen. Ich kann sie auch nicht „produzieren“. Das bedeutet: Das schlichte Eingeständnis, dass ich für die Freude auf seine Gnade angewiesen bin.