Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn‘?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder unterstelle ich mich Gottes Wort als seiner Selbstoffenbarung und akzeptiere es als „erstes Kriterium der Wahrheit“. Oder ich nehme meinen eigenen Verstand zum Ausgangspunkt, um Gottes Wort nach meinem Dafürhalten zu richten. In beiden Fällen greife ich auf ein erstes Prinzip zurück, für das es keine direkte Beweisbarkeit gibt.

Vor einigen Wochen habe ich über die Bibel als „erstes Kriterium der Wahrheit“ gepredigt. Ich ging das Thema aus einer indirekten Perspektive an. Statt direkten Belege über den Selbstanspruch der Bibel zusammen zu stellen, versuchte ich die Brille von Paulus aufzusetzen. Wie ging er mit dem Alten Testament um, wenn eine wichtige Frage – nämlich die nach unserem Heil – beantwortete? Ich stelle drei Dinge fest:

  1. Er lebte im tiefen Bewusstsein von Gottes einen Heilsgeschichte und argumentierte selbstverständlich aus diesem Verständnisrahmen heraus. Daraus ergibt sich meine erste Frage: Habe ich den Blick fürs Ganze?
  2. Für Pauls war Gottes Handeln kein seelentröstender Mythos, sondern Geschehen in Raum und Zeit. Deshalb die zweite Frage: Was ist mein Kontrollfilter?
  3. Gerade weil Gottes Wort objektiv verlässliche Dokumentation seines Redens ist, hat sie für Paulus bleibende und bindende Bedeutung. Deshalb heisst die dritte Frage: Wie beeinflusst Gottes spezielle Botschaft mein Denken und Handeln?

Hier geht es zum Live-Mitschnitt der Predigt.

Abgeleitet aus der heilsgeschichtlichen Perspektive habe ich fünf Anregungen zum Lesen der Bibel gegeben. Sie passen gut an den Start eines neuen Jahres:

  1. Lies die Bibel fortlaufend. Die Gewohnheit, nur hie und da kleine Happen zu sich zu nehmen, verstärkt die Tendenz, sich über die Jahre seinen eigenen Glauben zurecht zu zimmern. Das liegt im Trend der Zeit. Wir picken uns das heraus, was gerade zu unserer Lebenslage zu passen scheint.
  2. Lies die ganze Bibel. Gott hat es gefallen, sich in menschlichen Worten kundzutun. Er hat uns alles, was für unser Heil und ein gottgefälliges Leben nötig ist, darin festgehalten. Es wird uns in vielen Lebensbildern, Geschichten, Kommentaren, Weisheitssprüchen und Lehren nahe gebracht.
  3. Schenke vernachlässigten Abschnitten Beachtung. Wenn du schon länger mit Jesus unterwegs bist, dann empfehle ich, dich vermehrt auf übersehene Abschnitte und Bücher einzulassen.
  4. Eine Frage von zentraler Bedeutung beim Lesen ist: Was sagt sie über Gott aus? Dies korrigiert mein Bild und verändert meinen Kontrollfilter.
  5. Berge Schätze, sammle und teile sie.