Über die Listen anerkannter Krankheiten

Periodisch wird die Liste anerkannter Krankheiten überarbeitet und ergänzt. In der bei uns eingesetzten ICD-10 Liste der WHO erscheint unter „Behavioural and emotional disorders with onset usually occurring in childhood and adolescence“ auch ADHS (siehe hier).

Der Spiegel schreibt zur Überarbeitung des DSM-5 Handbuchs, das wiederum die WHO-Liste starkt beeinflusst:

Strengere ADHS-Diagnose: Als der Vorgänger DSM-4 1994 erstmals die kindliche Aufmerksamkeitsstörung ADHS auflistete, löste das eine Epidemie aus. „Häufig haben allerdings Kinder den Stempel ‚ADHS‘ erhalten, die sich schlicht zu wenig bewegt haben. Jeden Tag mit Auto zur Schule gefahren werden, dann dort mehrere Stunden still sitzen und nachmittags zu Hause vor dem Fernseher: Logisch platzt irgendwann der natürliche Bewegungsdrang heraus“, sagt der Psychologe Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden. Genauere Beispiele, welche Verhaltensweisen etwa unter das Kritierium „Aufmerksamkeitsmangel“ zu zählen sind und exaktere Formulierungen im DSM-5 sollen die Flut von voreiligen Diagnosen eindämmen.

Burnout ist weiterhin keine Krankheit: Auch die Modediagnose Burnout wird nicht in dem Handbuch auftauchen. Denn: „Diese Diagnose ist ein rein deutsches Phänomen“, sagt Wittchen. Burnout sei in der Regel schlichtweg eine Variante der Depression. Doch dieser Begriff sei hierzulande verknüpft mit dem Bild eines willensschwachen, passiven Menschen. „Burnout hingegen verbinden wir mit jemandem, der sich überanstrengt hat, der zu viel geleistet hat und deswegen krank wird. Das klingt nicht so stigmatisierend.“

VD: AD.