Weltanschauung: Landkarte für die Handlungen eines Menschen

Albert M. Wolters charakterisiert den Begriff „Weltanschaung“ in seinem Werk „Creation Regained: Biblical Basics for a Reformational Worldview“ wie folgt:

Es geht um Überzeugungen (beliefs) über alle möglichen Dinge (things), bei denen es möglich ist, einen Standpunkt einzunehmen. Diese Überzeugungen sind von reinen Gefühlen zu unterscheiden, weil ein kognitiver Anspruch damit verbunden ist. Es sind Grundüberzeugungen, die mit den letzten Fragen zu tun haben, mit denen wir als Menschen konfrontiert sind. Die einzelnen Überzeugungen hängen miteinander zusammen und bilden eine Art Rahmen bzw. Muster.

Es geht also um den Gesamtrahmen von Überzeugungen eines bestimmten Menschen. Jeder Mensch verfügt über einen solchen Denkrahmen, sei es bewusst oder unbewusst. In der Regel wird er dann sichtbar, wenn er zu einer bestimmten Frage Stellung nehmen muss. Die Weltanschauung funktioniert wie ein Kompass oder eine Landkarte. Dabei können sich einzelne Überzeugungen auch durchaus widersprechen, so wie auch ein Schiff durch einen Sturm zwischendurch von seiner Position abkommen kann. Es geht um die ausschlaggebenden Faktoren der Überzeugungen, welche bestimmte Handlungen veranlassen.

Wie ist die Beziehung zwischen Weltanschauung und Bibel? Die christliche Antwort darauf lautet: Unsere Weltanschauung muss durch die Bibel gestaltet und getestet werden. Die Christen sind aufgefordert, ihre Überzeugungen permanent mit der Bibel abzugleichen. Tun sie dies nicht, werden sie in der Regel die gerade aktuelle Überzeugung der säkularisierten Umgebung übernehmen.

Nun gibt es einen hohen gesellschaftlichen Druck, die Grundüberzeugungen auf Gebiete von Kirche, Theologie und privater Moral zu beschränken. Dies sind Bereiche, welche für Kultur und Gesellschaft praktisch irrelevant sind. Bei vielen Christen hat sich zudem die Meinung festgesetzt (als Teil ihrer inneren Landkarte), dass die Bibel nur am Rand mit säkularen Gebieten wie Politik, Kunst oder Wissenschaft zu tun hat. Die Bibel entwirft zwar eine Sicht auf Kirche und Gott, jedoch nicht auf die gesamte Welt. Damit werden diese Gebiete den säkularen Überzeugungen preisgegeben. Das Resultat: Christen haben keine überzeugenden Antworten mehr für die brennenden Fragen der Zeit.

Michael W. Goheen. Albert M. Wolters. Creation Regained: Biblical Basics for a Reformational Worldview. Eerdmans: Michigan 1995. S. 4-10.