Über der Herzgrenze (4): Körper und Seele als Einheit

Wer notfallmässig operiert wird, hat keine Vorbereitungszeit. Keine Vorbesprechung mit dem Arzt über den Eingriff, kein Einlesen, darüber Nachdenken, Austausch mit anderen, Einrücken am Vorabend. Eine halbe Stunde nach meinem Eintreffen im Spital wurde ich in den Operationssaal geschoben. Das führte dazu, dass ich die zwei, drei ersten Tage unter Schock stand. Der Körper war „repariert“, Bewusstsein und Gedächtnis wieder da. Doch meine Seele hatte noch nicht begriffen, was sich ereignet hatte. So war ich in einer Art Erstarrung, und mein Kreislauf meldete, dass er noch nicht richtig „anspringen“ wollte. Nach zwei Tagen und einem kurzen „Taucher“ kam ich zu mir und realisierte in einem Augenblick, was mit mir geschehen war. Ab jenem Augenblick war es mir, als ob meine „Maschine“ wieder richtig zu laufen beginne. Ich hörte die Pflegenden sagen: „Jetzt kommt wieder Farbe in sein Gesicht.“ Und ich antwortete ihnen: „Ja, jetzt habe ich realisiert, was passiert war. Jetzt beginnt es wieder zu laufen.“ So war es denn auch. Dieses eigene Erleben demonstrierte mir auf wunderbare Weise die enge Verzahnung von Körper und Seele. Gott hat beide als Einheit geschaffen. Sie gleichen zwei Uhren, die parallel laufen und fein aufeinander abgestimmt sein müssen. Beide Teile des menschlichen Seins wollen berücksichtigt sein. Sie beeinflussen einander.