Über der Herzgrenze (11): Hast du noch Ziele?

Nach einem schweren Eingriff stellt sich die Frage: Wie sieht es mit den eigenen Zielen aus? Sind alle über den Haufen geworfen? Welche bleiben? Werden die Ziele bescheidener?

Zuerst übergeordnet: Was ist das Ziel meines Lebens? Kurz gefasst: Gott zu ehren, indem ich mich an ihm freue. Diese Lesart der ersten Frage des Kurzen Westminster Katechismus behält in guten und schwierigen Zeiten ihre Gültigkeit. Das kleine Buch von John Piper „Die Pflicht zur Freude“ gibt es hier zum Download. Piper schreibt (S. 20-21):

Schuf Gott Sie zu Seiner Ehre oder zu Ihrer Freude? Antwort: Gott schuf Sie, damit Sie die Ewigkeit damit verbringen können, Ihn zu ehren, indem Sie sich beständig an Ihm freuen. Mit anderen Worten: Sie müssen sich nicht entscheiden, Gott zu ehren oder Ihn zu genießen. Sie dürfen es nicht einmal! Wenn Sie das eine aufgeben, verlieren Sie das andere. (Jonathan) Edwards hat absolut recht: »Gott wird nicht nur dadurch geehrt, dass Seine Herrlichkeit gesehen wird, sondern dadurch, dass sie bejubelt wird.« Wenn wir uns nicht an Gott freuen, ehren wir Ihn nicht so, wie es sein sollte. Das ist die unerschütterliche Grundlage des christlichen Hedonismus: Gott wird dann am meisten geehrt, wenn wir zutiefst zufrieden sind in Ihm. Das ist die beste Nachricht der Welt. Gottes Verlangen nach Ehre und unser Verlangen nach Zufriedenheit stehen nicht im Widerspruch zueinander.

Ich habe mir die vor über fünf Jahren formulierte Familienvision angesehen. Diese bleibt bestehen, der letzte Abschnitt hat an Gewicht gewonnen:

Wir wünschen uns für unsere Söhne, dass sie durch einen ganzheitlichen Zugang zur Wirklichkeit, der Gott an die erste Stelle setzt und dadurch den Menschen in eine Position der Würde und Einzigartigkeit, ihr Potenzial Schritt für Schritt entdecken, das ihnen Gott geschenkt hat.

Dies sollen sie, bis sie erwachsen sind, in einer Atmosphäre des Wohlwollens und der Geborgenheit erleben und erlernen, verbunden mit einer gezielten Förderung und Stärkung von guten Gewohnheiten und durch das Angebot von exzellenten Inhalten in Form von Begegnungen, Erlebnissen und Literatur.

Wir Eltern sind als Stellvertreter Gottes verantwortlich für ihre Entwicklung und als Kinder Gottes Mit-Lernende. Wir etablieren und pflegen als Eltern die gleiche Haltung und Gewohnheiten wie unsere Kinder.

Aus der Begegnung mit dem, der von sich sagt, dass kein Wort kraftlos sein wird, schöpfen wir Zuversicht und Kraft, Hindernisse und Hürden, die vor uns liegen anzupacken, und im Bewusstsein der eigenen Grenzen loszulassen.

Wer mich kennt weiss, dass ich mir gerne Ziele setze, siehe z. B. „Ich bin ein Fan von Zielen fürs neue Jahr“. Ausser den quantitativen Lesezielen kann ich alle nach wie vor unterschreiben.

Das bedeutet: Bestätigung und Modifikation. Ich denke jetzt oft: „Ich will jeden Tag mit meiner Familie vor Gott leben und, wenn er es schenkt, Kinder und Enkel gross werden sehen.“