Über der Herzgrenze (12): Wer kann geniessen ohne ihn?

Ich habe mich in den letzten Jahren oft zu unserer Konsumgesellschaft geäussert (siehe die Interviews „Ich konsumiere, also bin ich glücklich“, Teil 1 und Teil 2 oder meine Predigt unter dem gleichen Titel oder die 60 Posts mit dem Stichwort „Glück“). Als Familie haben wir uns für einen Minimal Lifestyle (mehr zu diesem Modeausdruck z. B. hier) entschieden und uns von manchen „Must“ unserer Gesellschaft erleichternd getrennt.

Lasst mich dazu ergänzen: Ich bin ein bewusster Geniesser. Salomo beschreibt im Buch Prediger, was dies ist:

Ist es dann nicht besser für den Menschen, dass er esse und trinke und seine Seele Gutes genießen lasse in seiner Mühsal? Doch habe ich gesehen, dass auch das von der Hand Gottes abhängt. Denn: »Wer kann essen und wer kann geniessen ohne mich?« (Prediger 2,24-25)

Der weise Salomo spricht davon, dass ich Essen und Trinken geniessen kann. Und er fügt gleich das Entscheidende hinzu: Ob ich etwas geniessen kann, hängt von der Hand Gottes ab. Er gibt mir nicht nur seine guten Gaben, sondern er bestimmt auch, ob ich es geniessen kann (siehe auch dieser Post „Nicht ermächtigt, davon zu geniessen“). Salomo nimmt im ganzen Buch bewusst eine Perspektive „unter der Sonne“ ein, um aufzuzeigen, dass ein sinnerfülltes Leben erst dann möglich ist, wenn es in allen Facetten mit Gott in Zusammenhang gebracht wird.

Siehe, was ich für gut und für schön ansehe, ist das, dass einer esse und trinke und Gutes genieße bei all seiner Arbeit, womit er sich abmüht unter der Sonne alle Tage seines Lebens, die Gott ihm gibt; denn das ist sein Teil. Auch wenn Gott irgend einem Menschen Reichtum und Schätze gibt und ihm gestattet, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich zu freuen in seiner Mühe, so ist das eine Gabe Gottes. (Prediger 5,17-18)

So danke ich meinem Schöpfer für alles, was ich geniessen darf – z. B. das auserlesene, liebevoll zubereitete Essen; einen wohl bedachten und stimulierend geschriebenen Text. Und ich geniesse die Gemeinschaft mit meiner Frau. Auch davon schreibt der Prediger:

So geh nun hin, iss mit Freuden dein Brot und trinke deinen Wein mit fröhlichem Herzen, denn Gott hat dein Tun längst gebilligt! Lass deine Kleider allezeit weiß sein, und lass das Öl nicht fehlen auf deinem Haupt! Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, alle deine nichtigen Tage hindurch; denn das ist dein Anteil in [diesem] Leben und in der Mühe, womit du dich abmühst unter der Sonne. (Prediger 9,7-9)