Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (2): Etwas rein, etwas raus

Ich kann mich gut an zwei Erlebnisse erinnern, die mittlerweile gut zehn Jahre zurückliegen. Da war zunächst die Sache mit unserem Wagen. Meine Frau und ich vereinbarten beim Umzug in die Stadt, dass wir nach einem halben Jahr unseren Wagen verkaufen würden, wenn wir eine bestimmte Anzahl Kilometer unterschreiten würden. Bei der Abmachung dachte ich mir noch: „Diese Mindestkilometer werden wir sowieso erreichen.“ Doch ein halbes Jahr später stiessen wir unseren Wagen ab. Dazu muss ergänzt werden: Wir wohnen an einer verkehrstechnisch äusserst günstigen Lage. Unsere Gemeinde ist in einer Gehdistanz von 15 Minuten erreichbar, manche Freunde wohnen in der Umgebung, wir können um die Ecke einkaufen, für den Arbeitsweg kann ich zwischen Tram, Bus und Zug auswählen. Ausserdem gibt es einige hundert Meter von unserem Haus entfernt einen Postauto-Knotenpunkt. Wir können einsteigen und sind in 20 Minuten an einer Feuerstelle im Grünen. Für einige Urlaube durften wir den Wagen meiner Eltern benützen.

Weiter kommt mir eine Räumungsaktion unseres Dachbodens in den Sinn. Ich schleppte während einem halben Tag schweisstriefend Kiste um Kiste nach draussen. Was ich mir in meinen Junggesellenjahren nicht alles angeschafft hatte! Meine Sammlernatur hatte sich nicht nur fröhlich Bücher angeschafft, es gab auch CD’s, Filme und viele weitere Gegenstände. Heute teilen wir uns als siebenköpfige Familie eine grosszügige 5 1/2-Zimmer-Wohnung. Wenn jeder mit Sammeln beginnen würde, wäre die Wohnung im Handumdrehen gefüllt und verstellt. Wir haben darum über die Jahre ein Prinzip etabliert: Wenn etwas Grösseres rein kommt, geht etwas anderes raus. Dies hat sich sehr bewährt. Meine Frau und ich lieben beispielsweise unser unverstelltes Entrée (Eingangsraum). Er steht fast symbolisch für den Raum, der durch die Etablierung der neuen Gewohnheit entstanden ist.