Liebesbriefe von Jesus

Elke Kamphuis hat eine Stellungsnahme zum Bestseller-Andachtsbuch von Sara Young „Ich bin bei Dir – 366 Liebesbriefe von Jesus“ geschrieben. Sie fasst die Botschaft des Buches zusammen:

1) Gott spricht nur in der Stille. 2) Das persönliche Reden Gottes (Erfahrung) steht über dem Wort der Bibel. 3) Indem sie die Ich-Form benutzt, stellt sie ihre Worte als die tatsächlichen Worte Jesu dar und gibt sich damit den Anstrich einer neutestamentlichen Prophetin, die Offenbarungen Jesu vermittelt. 4) Die Leserinnen werden indirekt zur Nachahmung aufgefordert und damit zur Medialität verführt. 5) Durch bloßes Öffnen wird zur Passivität und nicht zur Wachsamkeit oder zum Studieren des Wortes Gottes erzogen. 6) Ziel ihrer Andachten besteht darin, dass die Leserinnen Gottes Liebe und Frieden genießen. Wer sich die Mühe macht, die Andachten nicht nur täglich, sondern durchgehend zu lesen, wird feststellen, dass es sich hierbei um viele seichte, sanfte Aussagen handelt, die uns in Sicherheit und guten Gefühlen wiegen und sich häufig wiederholen.

Was hier fehlt, ist nicht nur die Realität des Leidens Jesu am Kreuz, sondern auch Hinweise auf eventuelle Leiden durch Nachfolge. Es wird zu einer Spiritualität der direkten Erfahrung aufgerufen, wo das Schauen (Erfahren, Fühlen) über dem Glauben steht.

Ich erlebe die sechs Punkte als prägnante Merkmale gelebter (nicht bekannter) Spiritualität. Es entsteht ein Erlebnisdruck. Und es besteht die Gefahr, dass Sentimentalität mit Glaube verwechselt wird (siehe hier). Das wiederkehrende Ziel ist die durch ein bestimmtes Vorgehen angestrebte direkte Gotteserfahrung.

Siehe auch

  1. Warum der Mystizismus eine ständige Strömung innerhalb der Kirche ist
  2. Zur Frage der Geistleitung
  3. Das hörende Gebet (siehe auch die 150 Kommentare)

VD: AR