Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (6): Viel Schönes kostet nichts

Edith Schaeffer, die Frau des bekannten Apologeten Francis Schaeffer, hat ein anregendes Buch „Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern“ geschrieben (Haus der Bibel/Oncken Verlag: Genf/Zürich/Basel, Wuppertal 1977 (3. Auflage). Sie entwickelt darin viele Ideen, den Schönheiten des Alltags auf die Spur zu kommen. Das ist kaum möglich, wenn unser Leben damit besetzt ist, dem nächsten Konsumgegenstand nachzujagen.

‘Verborgene Kunst’ definiert Edith Schaeffer als Kunst, die sich in den wenig beachteten Gebieten des Lebens verbirgt. Sie meint damit das, was mit dem täglichen Leben zusammenhängt, und nicht jemandes Karriere oder Beruf.

Ich glaube, dass jeder Mensch Gaben hat, die in einem verborgenen Winkel seines Innern schlummern und die entfaltet werden können.

Schaeffer beginnt mit der Musik. Diese sollte ein fester Bestandteil im Leben jeder Familie oder Gruppe sein.

Es liegt ein Zauber darin, gemeinsam zu musizieren. Alle Aufregung, alles Geplärre legt sich, und die Luft wird gereinigt. Dies gilt sowohl für Erwachsene wie für Kinder.

Wenn in einer Familie überhaupt keiner musikalisch begabt ist, dann kann eine Familie trotzdem in den Genuss von Musik kommen, indem sie eine langsam wachsende Sammlung von Schallplatten (richtig gelesen, keine MP3-Sammlung im iTunes) anlegt, die dann gemeinsam gehört und diskutiert werden. Oder sie besuchen gelegentlich ein Konzert oder hören sich ein ausgewähltes Konzert im Radio an.

„Ich kann nicht zeichnen.“ Schaeffer dementiert die Standardausrede. Man muss kein grosser Künstler sein, dessen Gemälde in den Galerien ausgestellt werden, um das befriedigende Gefühl zu haben, sein Mal- und Zeichentalent richtig zu nutzen.

Sie brauchen sich nicht so hohe Ziele zu stecken. Verzieren Sie einen Briefkopf oder schmücken Sie den Brief mit Skizzen. Listen können fröhlich gestaltet werden. Glückwunschkarten kann man selber zeichnen oder den Zuckerguss als einfache Zeichnung auftragen. Mit Kindern können Plakate gemalt oder Lieder mit Zeichnungen umrahmt werden.

Unter Innenarchitektur versteht Edith Schaeffer alles, was wir mit dem Ort anfangen, an dem wir für eine bestimmte Zeit wohnen. Gestalte dein Zuhause so, dass es dich auch künstlerisch befriedigt. Sieht es aus wie im Katalog oder ist es persönlich gestaltet? Warum sollen wir uns nicht mit Dingen umgeben, die etwas von unserem Geschmack und unseren Interessen verraten? Ob man selber eine Tischplatte zurecht schneidet, einen Stuhl schmirgelt, Leder schneidet oder etwas webt – es geht nicht um die künstlerischen Anstrengungen, sondern um den Zustand, in dem sich ein Zuhause (oder auch ein Büro) befindet.

Fast jeder kann sich ein Stückchen Erde, genügend Licht und Samen beschaffen, um den Zauber zu erfahren, der im Ziehen von Pflanzen liegt. Und sei es nur ein winziges Plätzchen, das hinter dem Haus zur Verfügung steht!

Der Mensch wurde geschaffen, damit er Umgang mit lebendigen Dingen habe, und nicht, um in einem Betonklotz inmitten verpesteter Luft zu leben und zu sterben.

Der Gartenbau führt uns zurück zur Erde. Und er ist eine ausgezeichnete Art körperlicher Betätigung!

Heutzutage (notabene vor knapp 40 Jahren) serviert man gern ein tischfertiges Essen aus der Tiefkühltruhe, das im Backofen aufgewärmt und auf einem Tablett vor das Fernsehgerät gebracht wird. Es gibt keine Unterhaltung, kein Tischgebet, man dankt niemandem, weil es niemandem im Weltall gibt, dem man danken müsste. Man nimmt schnell einen Happen und hastet dann weiter zur nächsten Verabredung. Die Kunst des Zusammenlebens, das Gefühl, eine Familie zu sein, ist weithin verloren gegangen.

Um wirklich zu einem Zusammenleben, zu echter Kommunikation zu kommen, sind gemeinsame Mahlzeiten ein guter Ausgangspunkt.

Gott schuf auf vielen Gebieten eine enorme Vielfalt, und für unsere Freude am Essen eine enorme Auswahl an Nahrungsmitteln. Nun hat die Sünde zwar viel verdorben, so dass ein vollkommener Genuss unmöglich geworden ist. Und doch will Gott, dass wir bis zu einem gewissen Grad mit Freude geniessen, was er geschaffen hat, und auch dies als ein Vorgeschmack dessen, was er verheissen hat.

Kochen sollte nicht als Plackerei, sondern als Kunst angesehen werden. Es tut gut, mit den Händen einen Teig zu kneten. Überhaupt ist die Küche ein interessanter Raum, in dem sich Mutter und Kind, aber auch Erwachsene, miteinander austauschen können.

Die Dinge, die Sie sagen möchten, die Ideen, die Ihnen zufliegen, sollten nicht für die Veröffentlichung aufgespart werden. Schreiben Sie jetzt! Teilen Sie sich jemandem mit! Beginnen Sie mit einem Brief und schreiben Sie dann auch anderen, die auf ein Lebenszeichen von Ihnen warten! (…) Wer enttäuscht ist, dass er keine Karriere als Schriftsteller machen kann und nicht gleichzeitig eine Unmenge Briefe schreibt, gehört zu den verkümmerten Menschen.

Die Menschen verderben und zerstören nicht nur die Natur, sie ziehen sich auch von ihr zurück. Immer befinden sie sich in einem Gebäude, auf einer Strasse, in einem Auto, auf einer gepflasterten Terrasse – immer ist da etwas zwischen ihnen und der Erde. Der Mensch wurde geschaffen, um die Dinge der Erde zu gebrauchen, den Sauerstoff, die Minerale, die Minerale, Pflanzen und Tiere. Alles in unserer Zivilisation ist aus Rohmaterial unserer Erde hergestellt und abgeleitet, und doch haben wir uns mehr und mehr von den elementaren und erdhaften Dingen entfernt.

Wir befinden uns in der Natur unter all den Dingen, die Gott geschaffen hat, in der richtigen Umgebung, um inspiriert zu werden. Darum sind regelmässige Ausflüge in die Natur ideale Gelegenheiten zur Erholung und Gemeinschaft.

„Familienschläuche“, schlechte Stimmung, „vertane“ Zeit? Schaeffer ist anderer Meinung:

Man könnte Familienzusammenkünfte planen, bei denen alle anwesend sind; Mahlzeiten, bei denen den Kindern der Vorrang gegeben wird und die Ereignisse in der Welt so besprochen werden, dass es nicht über ihre Köpfe hinausgeht, und wo die Erwachsenen selbst dem Fünfjährigen genau erklären, worum es geht. Zur freien Meinungsäusserung sollte ermutigt werden, so dass zum Beispiel der Standpunkt des Fünfundneunzigjährige – der in seinem langen Leben viele Erfahrungen gesammelt hat – mit dem der Siebzehnjährigen verglichen wird, die mit ihren Bemerkungen ihre Altersgenossen vertritt.

Jeder von uns ist “Umgebung”

Es geht nicht nur um unsere Umgebung, wir selber sind wichtiger Bestandteil unserer Umgebung. Das ruft Schaeffer am Schluss ihres Buches in Erinnerung.

Jeder von uns ist “Umgebung” für die Menschen, mit denen er zusammenlebt, mit denen er zusammenarbeitet, mit denen er Gemeinschaft hat. Und in diesem Sinne sind wir selbst “Kunstform”. Gerade wie die Umgebung, die die modernen Künstler schaffen, die Leute in einer bestimmten Richtung beeinflusst, wenn sie den Raum nur betreten, so sind wir “Umgebung” dar, ob wir es wollen oder nicht. Wir schaffen die Umgebung, in der andere leben müssen.

Kinder brauchen Ermutigung und Anleitung

All die genannten Bereiche und gemeinsamen Aktivitäten – Musik, Zeichnen und Malen, Innenarchitektur, Gartenbau, kochen, schreiben, gemeinsame Mahlzeiten, Ausflüge in der Natur und Familientreffen – sind Gelegenheiten, die Gaben unserer Kinder zu entdecken und sie dabei zu unterstützen, diese zu entfalten: 

Kinder sind von Natur aus schöpferisch begabt, aber sie brauchen Ermutigung und Anleitung. Sie müssen erkennen, dass sie als ein Bild des Schöpfers geschaffen wurden und schöpferisch sein sollten. Sie werden verstehen lernen, dass da ein Unterschied ist zwischen dem Unendlichen (Gott) und dem Endlichen (Menschen). Sie werden feststellen, dass sie nicht alles können, aber deshalb brauchen sie nicht aufzugeben und vor dem Bildschirm das Leben anderer Leute mitzuleben und eines Tages an einem Platz und in einem Beruf zu stehen, an dem sie kein Interesse haben und für den sie keine Begeisterung aufbringen.