Weshalb wir uns für einen Minimal Lifestyle entschieden haben (7): Erbitten

In der biografischen Beschreibung „L’abri“ schildert Edith Schaeffer, wie sie als Familie und ganzes Haus zusammen auf die Knie gegangen sind, um für fehlende Finanzen und anderen Bedarf gemeinsam zu bitten. Wenn stets alles vorhanden ist, was das Herz begehrt, wie sollen die Kinder die Abhängigkeit von Gott realisieren? Da können die frömmsten und salbungsvollsten Worte fallen. Das Leben lehrt die Kinder, dass der Mensch sich selbst genug ist. Dass Gott Adressat nur bei bestimmten (Schönwetter-)Gelegenheiten ist. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ein Teil der Kraftlosigkeit von uns Christen in Europa von dieser Überversorgung und der damit einhergehenden faktischen Unabhängigkeitserklärung des Menschen an Gott her rührt.

Damit plädiere ich nicht einfach für künstliche Verknappung. Gerade wenn viel vorhanden ist, fragt sich: Wie können wir einen (massgeblichen) Teil für andere einsetzen? Wie können wir uns mit anderen solidarisieren, die über das Notwendige nicht verfügen? Dies kann ein effektiver Weg für Familien sein, die materiell sehr gut gestellt sind. Es kann ein grosser Segen sein, Haus, Geldbeutel und Herz für Menschen in Not zu öffnen – um Gott zu ehren und sich an ihm zu freuen. Die Kinder sehen so über den Tellerrand ihrer augenblicklichen Bedürfnisse hinaus.