Die Rückkehr in die Familie (1): Richtig Abschied nehmen

Ich wachte lange vor der nötigen Zeit auf. Wie üblich hievte ich mich über die Seite aus dem Bett. Ich habe mir angewöhnt, zuerst den Körper nach seinem Befinden zu befragen. Etwas Schmerzen auf der Lunge, leichter Schwindel und die übliche Verspannung der Nacken-/Schulterpartie. In freudiger Erregung schwang ich mich aus dem Bett. Alles braucht etwas länger als früher, auch die üblichen Verrichtungen. Also heisst es genügend Zeit einzuplanen. Dass ich mir mehrmals den Kopf anstiess und die gleiche Tasche drei-, viermal öffnete, schrieb ich meiner Aufregung zu.

Ein Tag ohne Turnen ist ein „verspannter Tag“. Ich liess es mir nicht nehmen, auch am Tag meines Abschieds aus der Rehabilitation am Sportprogramm teilzunehmen. Allein dieser Entscheid löste einiges Befremden bei meinen Gspänli aus. „Man“ ist doch froh, wenn „man“ nicht mehr hingehen muss! Doch was rate ich meinen eigenen Klienten? Wir haben in unseren Breitengraden eine miserable Abschiedskultur. Wir verdrängen ihn regelrecht. Viele warten auf den Austrittstermin, um fluchtartig den Ort unangenehmer Erfahrungen zu verlassen. Für wichtige Übergänge nehmen sich andere Kulturen viel mehr Zeit. Sie weinen, feiern und scheuen keinen Aufwand, um wichtige Lebensübergänge würdig zu begehen.

Also nehme ich auch den Abschiedstag ganz bewusst: Zuerst habe ich eine lange Dankesliste verfasst, denn jedes Geschenk kommt von meinem himmlischen Vater. Ich nehme mir Zeit, um Menschen, die näher mit mir in Kontakt waren, zu verabschieden. Ich mache mir Gedanken über den „Wiedereinstieg“ zu Hause und bete dafür. Und ich nehme bewusst eine Mahlzeit ein, bevor ich den Ort verlasse.