Die Rückkehr in die Familie (13): Wenn der Druck kommt

Es gibt Momente, in denen mir der Atem buchstäblich knapp wird. Manchmal sind es Menschen, die mich – oft in bester Absicht – in Atemnot bringen. Sie bauen Druck auf, oder in mir wird etwas angerührt, worauf der Körper sofort reagiert. Oder es sind Momente, in denen mehrere Anliegen, Ansprüche oder Forderungen auf mich einstürmen und mich in die Enge treiben. Ich hatte in den vergangenen Tagen und Wochen Gelegenheit, in solchen Augenblicken zu experimentieren. Das heisst: Ich versuche auf verschiedenen Ebenen bewusst und gezielt zu reagieren.

  1. Ebene: Bewegung. Mein Körper gibt mir auf feine Art und Weise an, wenn etwas aus der Balance geraten ist. Gott hat es so eingerichtet, dass er beispielsweise Stresshormone ausschüttet. Um diese wieder abzubauen, ist Bewegung die beste „Kur“. Anstatt zu erstarren und zu warten, bis der Körper ganz verspannt ist, setze ich ihn in Bewegung. Atem- und Dehnübungen oder ein kleiner Spaziergang unterstützen dabei, die Ruhe zurück zu gewinnen.
  2. Ebene: Gedanken. Ich führe ein heilsames Selbstgespräch. Das heisst, ich befrage mich selbst über meine Gedanken ohne bei mir selbst stehen bleiben zu wollen. Deshalb richte ich meine Worte gleichzeitig im Gebet an meinen Schöpfer. Oft hilft mir das, eine andere Perspektive zu erhalten. Die Psalmen und Propheten benutzen oft den „prophetischen Perfekt“, das heisst sie reden so, als sei die Enge schon vorbei. Die Gewissheit, dass Gott Raum schenkt, öffnet ihr Inneres – und auch meines.
  3. Ebene: Emotionen. Eng mit den Gedanken sind die Gefühle verknüpft. Sie sind ein wichtiger innerer Wegweiser, doch oft auch ein irreführender. Ich will sie nicht zu meinem Führer machen und sie trotzdem ernst nehmen. Weshalb plagt mich die Angst? Weshalb gerate ich unter Druck? Gerade das Eingeständnis, dass ich Angst habe, ist Voraussetzung für die Richtungsänderung meiner Gedanken.
  4. Ebene: Situation. An welchem Ort halte ich mich auf? In welchem Moment passiert mir dies? Oft sind es Übergangsmomente im Tag – die Zeit vor dem Essen oder vor dem Schlafengehen, die Momente nach einer grösseren Anspannung. Das Bewusstsein meine Situation und Umgebung wahrzunehmen hilft mir dabei, eine geeignete Änderung vorzunehmen: Den Raum zu wechseln, einen stillen Ort aufzusuchen, etwas zu essen oder eben mich zu bewegen.