Erziehung: Sinkender Einfluss, gestiegene Ansprüche

Der „beobachter“ zum steigenden Druck auf die Eltern:

Eltern sollen ihren Nachwuchs zu leistungsfähigen Menschen erziehen, aber auch Raum lassen zum Kind-Sein. Die Zöglinge sollen selbständig sein, aber dabei keinen Blödsinn anstellen und sich bitte auch anpassen können. Sie sollen mitdenken, aber nicht alles hinterfragen.

Erziehung nach Gutdünken und Bauchgefühl kommt heute gesellschaftlich nicht mehr an. Gute Eltern halten sich über Erziehungsfragen auf dem Laufenden und setzen sich fundiert mit dem Thema aus­einander. Die unzähligen Erziehungsrat­geber in den Buchhandlungen zeugen davon. Die Infoflut verstärkt den Druck, stellt Beraterin Zweifel fest: «Viele Eltern suchen nach dem ‹Richtigen› und wissen nicht, wofür sie sich entscheiden sollen.»

… Doch die Möglichkeiten, den Nachwuchs zu formen, sind längst nicht mehr so gross. «Die Rolle der Väter und Mütter fokussiert sich immer mehr auf jene eines Coachs», sagt Höpflinger. Andere Einflussgruppen nähmen an Bedeutung zu: Krippen und Horte, Schulen, Vereine, Freunde, soziale Medien. Innerhalb der Familien führt die sinkende Toleranz der Gesellschaft für Kinder laut Höpflinger zu mehr Solidarität (siehe «Eltern und Kinder verstehen sich besser als früher»). Eltern stellen sich – teils radikal – vor ihre Töchter und Söhne und verteidigen sie gegenüber Lehrpersonen und anderen Instanzen.

VD: AW