Wenn die Tore der Hölle von innen zugehalten werden

Sophie Dannenberg, Jahrgang 1971, Kind der 68-er Jahre, schreibt als indirekt Mitbetroffene über die im Rahmen der „sexuellen Befreiung“ praktizierte Pädophilie:

Ich habe es einmal probiert mit dem Reden und meine Eltern auf die Szenen von damals angesprochen. In meiner Sprache, nicht in ihrer. Ich war siebzehn, und die peinlichen Erinnerungen störten mich in meiner Pubertät. Meine Eltern waren entsetzt – über mich. Sie fanden mich destruktiv und hysterisch und taten so, als würde ich phantasieren. Für mich war die Verleugnung tatsächlich schlimmer als der Übergriff selbst.

Ich bin jetzt älter als unsere Eltern damals waren. Sie könnten fast meine Kinder sein. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich so gern verzeihen möchte. Und dann fällt mir wieder ein, dass zum Verzeihen immer zwei gehören. Wo sich ein Täter vor der Barmherzigkeit verschließe, da werden die Tore der Hölle von innen zugehalten, las ich in einem Interview mit der Philosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz. Ich bin es leid, von außen an diesen Toren zu rütteln. Die 68er haben entschieden, uns nichts zu geben. Keine Wahrheit, keine Demut. Ich glaube nicht mehr an die Möglichkeit, aber manchmal wünsche ich es mir noch immer – ein einziges ehrliches, trauriges Gespräch. Und danach wieder die Erinnerung an hohes Gras und Apfelbäume.