Buben zur Selbständigkeit anleiten (1): Grosses Ziel, tägliches Ringen

Wenn mich jemand fragt, was mich beschäftigt (das sind übrigens hilfreiche Frage für ein tiefer gehendes Gespräch), dann gebe ich zur Antwort: „Ich ringe darum, meine Buben im Alltag zur Selbständigkeit zu führen.“ Dieses hehre Ziel hatte ich vor Jahren in unserer Familienvision ausformuliert. Heute und morgen zeigt es sich, ob dieses Ziel bloss Makulatur ist oder ob ich es in den Alltag zu übersetzen verstehe. In meinem Bemühen habe ich es stets mit mindestens zwei Menschen zu tun: Mit meinem Sohn und und mit mir selbst.

Ich bin gut bedient damit, bei mir selbst zu beginnen. In welcher Haltung begegne ich meinem Sohn? Wo verliere ich mich in meinem eigenen perfektionistischen Streben? Wo setze ich eine zu hohe Latte an? Wo halte ich sie zu niedrig? Was verlange ich von ihm, was ich von mir selbst nicht fordere? Welche Verhaltensweisen, die mich stören, hat er mir abgeguckt?

Dann gilt es einen genauen Blick auf meinen Sohn zu werfen: Was sind die Gedanken, die ihm zuvorderst stehen? Nach was strebt er?  Was kann und will er davon ausformulieren? Wo erlebt er Frustration, das heisst Abweichung zwischen seinem eigenen Streben und den erreichten Resultaten? Wie geht er damit um?

All diese Fragen kläre ich nicht „psychologisch“, sondern als Vater. Es fehlt oft nüchterne Distanz, dafür pulsiert die Zuneigung. Meine Gedanken teile ich mit dem, der mich gemacht hat; ich erwäge sie mit meiner Frau. Es geht mir weniger um Verhalten, mehr um das Herz. Weniger um Inhalte, mehr um Charakter.