Buben zur Selbständigkeit anleiten (8): Sie wollen gebraucht sein

Schon vor einiger Zeit habe ich beklagt, dass wir unseren Kindern stets eine vorbereitete Umgebung hinstellen. Das hat mehrere Nachteile: Erstens gewöhnen sich die Kinder daran, dass sie als kleine Prinzen stets mit Programmen und „Fertigelementen“ rechnen können. Sie gewöhnen sich an den Konsumismus. Wehe, der „Stimulus“ wird nicht fristgerecht bereitgestellt! Dieses Vakuum ist nur schlecht auszuhalten. Was passiert dann? Dann beginnt sich der zweite Nachteil auszuwirken: Die Energieverhältnisse verschieben sich zu Ungunsten der Eltern. Diese werden zu allen anderen Aufgaben hinzu mit der Rolle des Wünsche-Erfüllungsgehilfen ihres Kindes betraut. Die dazu benötigte Energie fehlt für inhaltliche und charakterliche Kraftanstrengungen. Salopp ausgedrückt: Zu Unzeit flippen sie aus, weil ihr Energiepuffer aufgebraucht ist. Ganz im Gegenteil die Kinder: Mit ihrem Überschuss an Kraft wissen sie nichts besseres anzufangen, als im Widerstand gegen die Versorger einen schnelleren Versorgungstakt zu erreichen. Dieser ungute Kreislauf verursacht auf einer tieferen Ebene noch eine weitere Problematik: Dem Kind mangelt es an sinnvollen, erfüllenden Tätigkeiten. Nicht nur verpasst es kostbare Lerngelegenheiten, sondern es wird in seiner Identität ungenügend gestärkt. Wer seine Fähigkeiten nicht unter Beweis zu stellen braucht, wird ungenügend angeregt. Das habe ich diese Woche erlebt: Infolge Krankheit bekam unser Ältester dreimal die Gelegenheit zu kochen. Das Bewusstsein, eine wichtige Aufgabe für die gesamte Familie zu erfüllen, hat ihn sehr gestärkt und befriedigt. Ich gebe zu, dass es mir an manchen Tagen an Weisheit mangelt, wie ich meine Kindern vermehrt sinnvoll einbinden kann. Wir haben keinen Bauernhof, keinen Garten und keine Haustiere. Also bleibt nichts anderes übrig, als ihnen immer wieder sinnvolle Aufgaben für ihren Kopf zu geben. Und sei es nur, einer Person einen kurzen Brief zu schreiben.