Schlaf, wo bleibst du?

Ein Drittel der Schweizer haben mit Schlafstörungen zu kämpfen. Die Statements vom Zischtigs-Club vom 6.8.13 fassen die Expertenrunde gut zusammen:

Jürg Schwander, Schlafmedizinier: «Schlafstörungen sind ein grosses Tabu in unserer Gesellschaft. Wer schlecht schläft, ist müde, bringt nicht die erforderte Leistung, riskiert eine Depression. Aus diesem Grund holen sich die Betroffenen oft zu spät Hilfe.»

Christian Cajochen, Schlafforscher und Chronobiologe: «Es herrscht ein Schlaf-Machismo: wer kurz schläft, lange wach bleiben kann und früh aufsteht gilt als erfolgreich und produktiv, so wird der Schlaf als wichtiger Gesundheitsfaktor unterschätzt.»

Eva Birrer, Psychologin und Somnologin: «Viele Menschen vernachlässigen das Thema Schlaf. Weil: Schlafenszeit ist Zeit, in der man „nichts“ tut, nicht produktiv ist. Doch das ist falsch, weil Schlaf eine unserer wichtigsten Energiequellen ist. Mehr und guter Schlaf macht uns leistungsfähiger.»

Ursula Schäppi, Schauspielerin, leidet unter starken Schlafstörungen: «Die Schlaflosigkeit ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein Quäl-Geist, der ohne Rast und Ruh in der unbewältigten Vergangenheit herumwühlt – der mir aber auch nächtelang die ungelösten Problemen der Gegenwart vor Augen hält und so verhindert, dass sie sich zum ersehnten Schlaf schliessen können. »

Die Bibel enthält zahlreiche Aussagen zum Thema Schlaf.

1. Schlaf als Teil von Gottes Schöpfungsordnung

Schlafen gehört zum Schöpfungsrhythmus Gottes: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen…“ (Gen 1)

Schlaf gilt als „Grundrecht“ für den Menschen. Gott hielt sein Volk an, auch den Benachteiligten ihren Schlaf zu gewähren. „Wenn er jedoch arm ist und nur einen einzigen Mantel besitzt, den er euch als Sicherheit geben könnte, dann behaltet den Mantel nicht über Nacht. Bei Sonnenuntergang sollt ihr ihn seinem Besitzer zurückgeben, damit er darin schlafen und euch segnen kann. Das wird vor dem Herrn, eurem Gott, als gerechte Tat gelten.“ (5. Mose 24,12+13)

2. Gestörter Schlaf als Folge der Sünde

Der Schlaf ist – wie alle anderen Dimensionen von Gottes Schöpfung – durch die Sünde beeinträchtigt und gestört worden. Das erste Beispiel personifiziert Kain. Er muss „unstet und flüchtig“ auf der Erde umherirren (Gen 4,12).

Hiob erfuhr in seiner Zeit der Demütigung und Prüfung nächtliche Schrecken: „In beunruhigenden Gedanken, wie sie aus Visionen in der Nacht entstehen, wenn tiefer Schlaf auf Menschen fällt, kam Schrecken und Zittern über mich, und durchschauerte alle meine Gebeine.“ (Hiob 4,13+14)

Schlaflosigkeit begleitet den Reichen, der sich dauernd um seinen Besitz sorgt. „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel isst; aber der Überfluss des Reichen lässt ihn nicht schlafen.“ (Pred 5,11)

Es gibt auch den Schlaf des Faulen. Er verpasst die wichtigen Momente und kann sie nicht mehr aufholen. (Spr 6,9+10; 19,15; 20,13)

3. Gott benützt den Schlaf in seinem souveränen Handeln.

Gott benützt die Schlaflosigkeit eines Königs, um den Plan mit seinem Volk zu erfüllen. „In dieser Nacht konnte der König nicht schlafen, deshalb ließ er sich die Geschichte seines Reiches bringen und sich daraus vorlesen.“ (Esther 6,1; vgl. Dan 2,1; 6,19)

David konnte mitten in der Nacht zu seinem Feind Saul vordringen, weil Gott einen tiefen Schlaf auf ihn fallen liess (1. Samuel 26,7+12).

Die Feinde Israels wussten, dass Gott seinem Propheten Elisa die Botschaft weitergeben konnten, die diese in ihrem Schlafzimmer redeten (2. Könige 6,12).

4. Geistlicher Schlaf als Metapher

Geistlicher Schlaf kann eine Gerichtshandlung Gottes sein. Er goss einen „Geist der Schlafsucht“ über sein rebellisches Volk aus. (Jes 29,10; vgl. Röm 11,8)

Die Jünger von Jesus schliefen in den für ihn bedrängendsten Momenten (Mt 26,40+43).

5. Das Erwachen aus dem Schlaf als Metapher für die geistliche Wiederherstellung

Gott berief den Propheten Samuel in der Nacht. Er riss ihn aus seinem Schlaf. Dieses Wach-werden steht im Gegensatz zum geistlichen Tiefschlaf seines Volkes (1. Samuel 3)

Jesus fordert auf, nüchtern und wach zu sein, damit er uns bei seiner Rückkehr nicht schlafend vorfindet (Mk 13,36).

Wachsein ist ein Kennzeichen der Christen. „Also lasst uns nun nicht schlafen wie die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein!“ (1Thess 5,6-10)

6. Gottes Verheissung der Ruhe in Schwierigkeiten

Schlaflose Nächte gehörten zum Dienst des Apostels Paulus (2Kor 6,5).

Gott schenkt Schlaf mitten in der Störung. „Ich will mich in Frieden hinlegen und schlafen, denn du allein, Herr, gibst mir Geborgenheit. (Psalm 4,9)

Gottes Diener bittet im Schlaf raubenden Kummer, ihn aufzurichten. „Keinen Schlaf findet meine Seele vor Kummer. Richte mich auf nach deinem Wort!“ (Psalm 119,28)

7. Die ewige Schlaflosigkeit

Manche denken, dass mit dem Tod der ewige Schlaf anfängt. Weit gefehlt. „Viele von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen; die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu.“ (Daniel 12,2)