Tiefer geistlicher Grundwasserspiegel

Marius Timmermanns hat in der Zeitschrift Bibel und Gemeinde 3/13 ein interessantes Interview gegeben. Der Niederländer spricht über seine Erfahrungen in Deutschland:

Der geistliche Grundwasserspiegel in Deutschland ist heute sehr niedrig und die Glaubensquelle der Reformation nahezu versiegt. Die großen evangelischen Kirchen sind sonntags weitestgehend leer. Nur selten wird dort eine lebendige Botschaft des Evangeliums verkündigt.

Er spricht mir damit aus dem Herzen. Ich habe über die letzten Jahre den Eindruck bekommen, dass wir mit viel Aufwand versuchen, uns unserem säkularen Umfeld anzupassen – und dadurch die zentrale Botschaft preisgeben. Die Folgen machen sich spürbar: Zuerst inhaltliche Verflachung, dann leere Bänke.

Die Frage stellt sich: What’s next? Daran hirne ich schon länger herum. Ich gehe auch da mit Timmermanns einig:

Sie haben viele Jahre junge Menschen im Evangelium unterwiesen. Ihr Gemeindeverband – die Gereformeerde Gemeenten (etwas über 100.000 Mitglieder, pietistisch-reformierter Prägung) – weist eine gesunde Altersstruktur auf. Dies gilt aber auch für andere bibeltreue Kirchengemeinden, die ich durch Sie kennenlernen durfte. Die Gottesdienste sind voll und es wird auch gerade die junge Generation erreicht. Und das, obwohl die Gottesdienste ohne moderne Lobpreismusik und Showelemente auskommen. Bei uns in Deutschland hingegen wird häufig gesagt, wir müssten die Gottesdienste in Musikstil und Ablauf modernisieren und dem modernen Geschmack anpassen. – Wie sehen Sie diese Frage? Ist ein traditioneller schlichter Gottesdienst ein Hindernis für Gemeindewachstum – oder beweisen die Erfahrungen in den Niederlanden das Gegenteil?

Ich denke, der traditionelle Kirchengottesdienst mit einfacher Kirchenorgel und Psalmengesang sowie der Predigt im Zentrum ist das einzig Wahre, was bleibendes Gemeindewachstum wirkt. Warum? Weil eine ehrliche biblische Predigt das Gewissen eines Menschen erreicht. Das ist nicht nach dem Menschen-Geschmack, aber im Grunde für den Menschen: ewige Seligkeit ist damit verbunden. Auch wenn man jung ist und die ehrliche Botschaft fühlt, dann kommen die jungen Leute zurück in die Kirchen und Gemeinden. Darum sind alle unsere Kirchen noch voll. Fahren Sie selbst nach Holland, erleben Sie den Psalmengesang, wo alle – auch die Jungen – mitsingen; vierstimmig. 

Es geht mir weniger um die Orgel als vielmehr um eine schlichte, klare Botschaft. Was bringen uns aufwändige Programme? Weshalb sollen wir unser Umfeld „echoen“?