Neues Schuljahr: Wenn mir bange wird

Das neue Schuljahr hat begonnen. Zuweilen dachten meine Frau und ich zögernd und unsicher an die neue Etappe, die vor uns liegt. Wie würden wir die Herausforderung mit den Kindern bewältigen? Können wir all den Ansprüchen und Erfordernissen gerecht werden? Die Söhne legen an Kräften zu. Wir haben keinen Bauernhof, auf dem sie täglich körperlich eingebunden sind. Unser Zuhause ist kein Freizeitpark. Ebenso wenig wollen wir den Verlegenheitsgriff nach den medialen Konserven machen.

Als meine Gedanken um diese Herausforderung kreisten, las ich den Anfang des Buches Josua. Der neue Führer trat das Erbe eines unübertrefflichen Vorgängers (Mose) an. Eine grosse Aufgabe lag vor ihm. Mit rund zwei Millionen Menschen und unzähligen Tieren sollte er das versprochene Land erobern, verteilen und die Besiedlung organisieren. Es kam ihm sicherlich zugute, dass er sich bereits jahrelang für seine Führungsaufgabe vorbereiten konnte. Er war der persönliche Diener von Mose gewesen und hatte viele kritische Regierungsmomente hautnah mit erlebt. Mose hatte ihn ab und zu für anspruchsvolle Aufgaben abgestellt.

Doch jetzt war der väterliche Mentor gestorben. Millionen von Augen orientierten sich an ihm. Was berichtet das Buch Josua? Wir lesen nichts von Eroberungsplänen, Visionssitzungen, taktischen Überlegungen oder von einem Ernennungsprozess von neuen Ministern (so nützlich diese Dinge alle gewesen sein mögen). Im Vordergrund stand – das Studium des Gesetzes. Josua bekam den Auftrag, diese Anweisungen täglich zu studieren, sie zu überdenken und entsprechend zu handeln. Aus diesem Studium heraus würde die Zuversicht wachsen: Sei stark und mutig! Fürchte dich nicht und erschrick nicht!

Wie ging es weiter? Auch die nächsten Ereignisse handelten nicht von einem bilderbuchmässigen Start eines Eroberungsfeldzuges . Gott staute die Furten des Jordan zurück (es war die Zeit mit dem höchsten Wasserstand). Gott gab die Anweisung, dass sich alle Männer beschneiden sollte (was nichts anderes hiess, als 600’000 Soldaten körperlich zu schwächen). Ausserdem sollten sie das Passahfest feiern. Inmitten dieser Aktivitäten erschien der Oberste des Heeres Gottes seinem Diener Josua. Das war der Schlüssel: Alles war an dessen Vollmacht gelegen.

Wie eroberten sie die erste Stadt? Sie schickten die Kundschafter nach Jericho. Doch hätte die gläubige Rahab sie nicht versteckt, wären sie vom Stadtkönig gefangen genommen worden. Die Israeliten erhielten die Anweisung, sechs Tage lang um die Stadt zu ziehen. Am siebten Tag folgte keine Attacke. Gott liess die Mauern einstürzen. Erst als das Volk in eigener Kraft und mit unbereinigter Schuld eine kleine Stadt einnehmen wollten, folgte die erste Niederlage.

Was hat diese Schilderung mit dem anbrechenden Schuljahr zu tun? Ich realisierte, dass ich dieselbe Botschaft zu beherzigen hatte. Ich brauche mich nicht zu fürchten, sondern an seiner Botschaft auszurichten. Die wesentlichen Entscheidungen werden nicht von mir bewerkstelligt. Nichts gegen planen, lernen, arbeiten und kämpfen. Doch die Sorgen, die darf ich getrost abladen. So blicke ich auf den ersten Schulmorgen zurück. Es war mir, als hätten wir die Furten des Jordan bei Hochwasserstand mit trockenem Fuss durchquert…

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