Wenn die Kinderplanung immer weiter nach hinten geschoben wird

Welche Motive steuern welche Erwartungen? Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Coop-Werbung zutrifft: „Für mich und (vielleicht auch noch) für dich.“ Die Zürcher Psychologieprofessorin Ulrike Ehlert (53) erforscht in einem Projekt die Rolle der Väter. Hier ein Interviewausschnitt:

Es könnte Sinn machen, später Kinder zu bekommen. Denn Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen, ist heutzutage sehr anspruchsvoll geworden.

Es gibt eine biologische und eine psychologische Betrachtung. Als Psychotherapeutin antworte ich Ihnen: Ja, wartet länger mit Kinderhaben. Dann steht ihr auch dahinter! Und die materielle Ausstattung ist dann besser. Zudem: Die meisten Paare wollen heute bloss ein oder zwei Kinder. Vier Kinder wie Sie (schaut zum Fotografen) kriegt heute ja keiner mehr. Mit diesen vier Kindern werden Sie die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht haben. Wenn ich nun aber das Kind weit herausschiebe in meiner Lebensplanung, und dann solls kommen, dann muss natürlich alles perfekt sein.

Die Erwartung steigt mit zunehmendem Alter?

Schauen Sie sich mal die Geburtsabteilung bei Hirslanden an. Das ist ein Hotel. Wenn ich mir überlegt habe, wo ich mein erstes Kind bekommen habe … Der Kreisssaal war ein Kachelding. Heute ist die Geburt ein Happening: Jetzt realisiere ich mein «Projekt Kind»! Da muss alles stimmen. Das ist die psychologische Sicht: Spät Eltern zu werden, ist vorteilhaft.

Biologisch ist es umgekehrt?

Ja. Je länger Sie warten, umso schlechter sind die Voraussetzungen für eine problemlose Schwangerschaft und ein gesundes Kind.