Wie gestalten wir in der Familie das informelle Lernen?

Mich erreichte die Anfrage, wie wir in der Familie das informelle Lernen gestalten. Ich buchstabiere dies am Beispiel „Klavier üben“ aus. Im Hintergrund steht bei mir der Leitgedanke, dass Lernen stets in einer Ausgewogenheit zwischen Form (Struktur, Rahmen) und Freiheit (Raum zur Entfaltung, Spielraum) geschehen muss. Weshalb Lehrende stets in dieser Spannung die Balance finden müssen, habe ich in diesem Aufsatz beschrieben.

Form: Was fordere ich ein?

  • Du übst täglich x Minuten Klavier.
  • Du übst die nächste Woche jeden Tag die Takte xy mit dem Metronom.
  • Spiel diese Stelle so lange, bis du sie fünfmal hintereinander fehlerfrei kannst.
  • Du spielst nicht darauf los, sondern hältst dich an die schriftlichen Übungsanweisungen des Klavierlehrers.
  • Die ersten zwei Minuten der Übungszeit erstellt du dir einen Miniplan fürs Üben.
  • Du hast die Aufgabe vier Tage vor dir her geschoben. Bis heute Abend kannst du diese Stelle mit der rechten Hand.
  • Komm, wir setzen uns hin, ich möchte mit dir über deine Übungszeit sprechen.

Freiheit: Wie gewähre ich Freiraum?

  • Ich vermisse das Klavier (am ersten Urlaubstag).
  • Ich übe dieses neue Stück jetzt mit dem Metronom.
  • Abends habe ich meine beste Zeit zum Üben.
  • Ich suche mir mein nächstes Stück selber aus.
  • Ich möchte an diesem Anlass gerne vorspielen.
  • Wie kann ich dich bei diesem Vorhaben unterstützen?
  • Heute hat mir besonders gefallen, dass du…

Das obige Beispiel beschreibt eine Kombination zwischen methodischer und charakterlicher Anleitung (Form) und Spielraum innerhalb der Begabung (Freiheit). Ich gehe davon aus, dass sowohl die Form überbetont wie auch der Freiraum überdehnt werden kann. Durch bestimmte Formen bilden sich hilfreiche Gewohnheiten heraus, welche den Freiraum sinnvoll füllen.

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