In der Materialfalle

Ich versuche behutsam eine Beobachtung in Worte zu kleiden. Nehmen wir an, ein Paar entschliesst sich eine Familie zu gründen. Beide sind Mitte/Ende Dreissig. Zwei, drei Kleine erblicken das Licht der Welt. Parallel zur beruflichen Etablierung gesellen sich Zusatzprojekte: Ein Eigenheim wird ins Auge gefasst. Dafür wird – wenn vorhanden – ein Grossteil der flüssigen Mittel sowie ein Teil der gesparten Altersvorsorge eingesetzt. Neu- und Umbau sowie der Umzug rauben viel Zeit und Energie. Die Familie zieht weiter in die Agglomeration. Das bedeutet, dass die Pendlerwege länger werden. Zudem wird es zur Deckung der laufenden Kosten nötig, dass beide einem Erwerb nachgehen. Sobald die Kinder zur Schule gehen und Freizeitbeschäftigungen besuchen, kommen tägliche Transporte hinzu, die bis in die späten Abendstunden hineinreichen.

Als Folge davon wird weniger Zeit und Aufmerksamkeit in die Partnerschaft und in die Erziehung investiert. Dazu kommt der Effekt, dass man sich nach den Strapazen zum Ausgleich immer wieder etwas leisten muss: Neue Kleider und Ausrüstungen, Urlaub am Meer, ein neuer Wagen. Das treibt die einen in einen Beziehungsnotstand, andere in Geldengpässe. Plötzlich steht die Familie vor einer Situation, die sie sich eigentlich ganz anders gedacht hätte. Aus einem trauten Heim wird eine Durchgangs- und Verpflegungsstation; aus gemeinsamen Unternehmungen werden anstrengende und logistisch anspruchsvolle Transporte; aus einer sinnvollen Tätigkeit wird ein Warten auf die nächste Lohnzahlung. Die Anschaffungen und Belohnungen entpuppen sich als zusätzliche finanzielle Last. Anstatt Mann und/oder Frau beruflich zu entlasten, entsteht die Notwendigkeit noch mehr Geld einzuholen.

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