Lektionen aus der Lektüre von Gefangenenliteratur (6): Knapper Raum

Es liest sich nicht angenehm, wie Frankl seine Schlafgelegenheit beschrieb (am Anfang seines Buches „Trotzdem Ja zum Leben sagen“). Dutzende, ja Hunderte von ausgehungerten Männern mussten auf engstem Raum zusammengepfercht schlafen. Nicht einmal richtig ausstrecken konnten sie sich. Irgendwie rollte Frankl sich zusammen und spürte den kalten Atem des Nächsten. Und es liess sich – in der Erschöpfung – trotzdem schlafen. Ich nehme aus dieser Schilderung mit: Versuche auch auf engstem Raum loszulassen. Wer sich innerlich das klammert, was nicht zu haben ist, zerfleischt sich selbst. Es ist erstaunlich, was der Mensch aushalten kann. Wiederum beschleicht mich das ungute Gefühl, dass wir wohlstandsverwöhnten Westler diese Erfahrung nicht machen und (zu) hohe Ansprüche durchsetzen wollen.